Das Verständnis von "Regionen" hat sich gewandelt. Regionen gelten heute nicht mehr primär als "Container-Räume", nicht nur als administrativ eindeutig abgegrenzte Einheiten wie Staaten, Bundesländer oder politische Bezirke. Vielmehr bilden spezifische Zusammenhänge und raumrelevante Interaktionen die Grundlage. Problembezogene Allianzen, Kooperationsbeziehungen, Netzwerke, soziale Handlungsbezüge oder institutionelle Bindungen sind für eine Regionsbildung mitverantwortlich. Regionen können sich auch überlagern, je nach Investition, Beziehungsnetzwerk oder auch kultureller Ausprägung.

Administrative Grenzen . . .

Eine neue Sichtweise von Regionen bedingt auch ein Umdenken und eine Neuorientierung der handelnden Akteure und Institutionen. Regionalentwicklung ist eingebettet in ein Spannungsfeld von Politik (Arbeitsmarkt-, Raumplanungs-, Regional-, Agrar-, Wirtschafts- und Sozialpolitik), Verwaltung (Europäische Union, Staats- und Länderebene, Gemeinde) und regionalen Akteuren (Vereine, Kooperativen, Beratungsinstitutionen, Regionalmanagements). In der Regel gilt es jedoch, erst (gesetzliche) Grundlagen für "regionales Handeln" zu schaffen. Starre, administrativ bedingte Grenzen sind für Inhalte und Projekte hinderlich, auch Zielgebiete der europäischen Regionalförderung bedürfen hier einer Anpassung und Anschlussfähigkeit an z.B. nicht geförderte Nachbarregionen. Gemeinschaftsinitiativen wie "LEADER+" und "INTERREG III" bilden hierfür den Rahmen - ihnen könnte künftig, nach der geplanten Erweiterung und nach der jetzt gültigen Programmplanungsperiode der EU ab dem Jahr 2006, eine verstärkte Bedeutung zukommen.

Das Zustandekommen von Regionen korreliert mit spezifischen lokalen und regionalen Voraussetzungen. Bestehende lokale und überregionale Akteursgruppen und Netzwerke (Humanressourcen, Know-how, "lokales/regionales Wissen", Kooperationen) sind ebenso mitverantwortlich für die Bildung (Profilierung) einer Region wie die bestehende Dichte der Infrastruktur (regionale Wirtschaft, Unternehmen, "Cluster" etc.). Vor allem (überregionale) Beziehungen und Beziehungssysteme sind es, die zukünftig verstärkt an Bedeutung gewinnen und den regionalen Verbund bestimmen werden. Vieles ist auf europäischer Ebene nur dann förderungswürdig, wenn ein "Komplementärnutzen" entsteht, d.h., mehrere Partner (Länder, Projekte) miteinander kooperieren müssen, um Fördergelder zu erschließen.

Diesem Verständnis von "Regionen" wurde in Österreich (anders als z.B. in Deutschland) bisher noch ungenügend Beachtung geschenkt. Gerade das Verhältnis zwischen Stadt und Land (Großraum) ist neu zu konzipieren. Hemmfaktoren sind administrative Grenzen, Sektoralpolitik und Parteipolitik. Beispiele wie die Region Stuttgart oder Hannover seien als Vorzeigeprojekte genannt, um v.a. die massiven Probleme in sogenannten "Übergangsräumen" zwischen Stadt und Land - bis hin in die Legislative - neu zu akzentuieren.

. . . und Parteipolitik als Hindernis

Zu stützen sind daher Maßnahmen, die von der Konzeption her "grenzüberschreitend" und "transsektoral" sind. Gemeint sind damit zum einen Gemeinschaftsinitiativen der EU-Regionalförderung, aber auch z.B. Projekte im Rahmen der Gebietsschutzpolitik wie Naturparks oder Nationalparks. Hier könnte zusätzlich über die Begrifflichkeit einer "strategischen Kulturlandschaftsentwicklung" auch eine Neudiskussion über Aufgaben, "Werte" und Optionen im (ehemals) landwirtschaftlichen Bereich stattfinden.

Mit dem wachsenden Bedeutungsgewinn der regionalen Ebene ist jedoch auch eine Trendwende zu einer zunehmenden Professionalisierung in der Regionalentwicklung notwendig. Der Wechsel von der vorprofessionellen zur professionellen Zeit der Regionalentwicklung ist zum Beispiel durch eine Ausdifferenzierung des organisatorischen und inhaltlichen Rahmens diverser mit Regionalentwicklung befasster Institutionen gekennzeichnet. Auch Regionalmanagements sind Ausdrucksformen (Instrumente) dieser Professionalisierung. Sie entsprechen dem Trend zur Aufwertung sogenannter "weicher Standortfaktoren". Auch die zunehmende staatliche Investitionsbereitschaft in Regionalmanagements jenseits "regionaler Experimente" zeichnet eine Trendwende hin zu einer professionellen Zukunftsorientierung mit strategisch staatlichen Interessen. Es wurde erkannt, dass ein Regionalmanagement nicht nur für periphere Regionen, sondern auch für wirtschaftsstarke Räume und Städte wertvolle Dienstleistungen zu bringen imstande ist. So wurde beispielsweise im Herbst 2001 von der Stadt Wien ein Regionalmanagement für Wien-Nord und die angrenzenden Umlandgemeinden implementiert. Regionalmanagement kann nun als "additiver Ansatz" zu bisherigen Instrumenten der Regionalpolitik zwischen Staat und lokaler Ebene als verankertes Instrument betrachtet werden.

Professionelle und institutionelle Basis

Um auf unterschiedliche neue Herausforderungen wie etwa Osterweiterung, grenzüberschreitende Kommunikation und Planung der europäischen Regionalförderungen entsprechend reagieren zu können, bedarf es einer zielgerichteten Qualifizierung im Regionalmanagement. Qualifizierungsmaßnahmen in diesem Bereich haben lange Zeit gefehlt.