Wien. In der diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Litauen und Österreich um die Freilassung eines früheren KGB-Offiziers hat das baltische Land am Dienstag Unterstützung von Lettland erhalten. Nachdem Litauen am Montag seinen Botschafter in Österreich zu Konsultationen nach Vilnius einberufen hatte, wollte auch Lettland der österreichischen Vertreterin in Riga eine offizielle Protestnote aushändigen. Den gleichen Schritt kündigte Estland an. Die Außenminister der drei baltischen Länder wandten sich indes mit einem Brief an die EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Ursprung des Konfliktes ist die Festnahme und kurz darauf erfolgte Freilassung des russischen Ex-KGB-Offiziers Mikhail Golovatov (Michail Golowatow) in Wien-Schwechat vergangene Woche.

Bilaterale Arbeitsgruppe

Angesichts der Ausweitung des Streits beschloss Österreichs Justizministerin Beatrix Karl gemeinsam mit ihrem litauischen Amtskollegen Remigiusjus Simasius eine bilaterale Arbeitsgruppe zu dem Thema. Das bilaterale Treffen sei "lang und ausführlich" gewesen, verlautete aus österreichischen Verhandlungskreisen. "Es gab ein gutes Einvernehmen", hieß es weiter. Simasius wollte die Diskussion der Causa Golovatov während des Plenums des EU-Justizministerrates im polnischen Sopot am Nachmittag an.

Lettlands Präsident kündigte Protestnote an

Der lettische Präsident Andris Berzins verkündete indes während eines Besuches in Litauen die Überreichung einer Protestnote. Der APA vorliegenden Informationen zufolge hatte der genannte Termin von Botschafterin Hermine Popeller bei Außenminister Girts Valdis Kristovskis zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht stattgefunden. Sein Land verstehe die Situation "ganz genau". Er unterstütze auch persönlich "voll und ganz" die Position und die Haltung Litauens, sagte das neue Staatsoberhaupt laut der Nachrichtenagentur BNS. Seine Gastgeberin, Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite, dankte ihrem Amtskollegen ausdrücklich für das dadurch erwiesene Verständnis und die Solidarität mit ihrem Land.

Auch die Präsidentin des litauischen Parlaments (Seimas), Irena Degutiene, drückte am Dienstag dem lettischem Präsidenten Dankbarkeit für die Unterstützung im Streit mit Österreich aus. "Das ist sehr wichtig für uns und es ist auch wichtig für die Zukunft der Europäischen Union", sagte Degutiene laut der lettischen Nachrichtenagentur LETA. Dieser Schritt würde unter anderem die "Bruderschaft und Einigkeit unserer Nationen" betonen, so die Parlamentspräsidentin.