Rom. Zum ersten Mal seit der Verabschiedung des Sparpakets der Regierung von Premier Silvio Berlusconi sind in Italien nächste Woche massive Proteste dagegen geplant. Die Gewerkschaft CGIL, mit ihren sechs Millionen Mitgliedern Italiens stärkste Arbeitnehmerorganisation, ruft die Italiener für kommenden Dienstag zu einem Generalstreik auf. Vorgesehen ist ein achtstündiger Ausstand mit Demonstrationen in allen größeren Städten. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden von 9 bis 17 Uhr stillstehen. Betroffen sind zudem der Bahn- und Flugverkehr. Auch im öffentlichen Dienst wird die Arbeit niedergelegt.

CGIL-Chefin Susanna Camusso nannte das Sparpaket "ungerecht, weil es lediglich Arbeitnehmer und Pensionisten, aber die Reichen nicht belastet. Es macht das Land arm und enthält keinerlei Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft", so Camusso. Völlig gegensätzlich der Ton der italienischen Unternehmer in der Sache: Der Unternehmerverband Confindustria kritisierte das Sparprogramm der Regierung als "schwach und unzulänglich".

Die gemäßigteren Gewerkschaften CISL und UIL unterstützen den Streik nicht. Sie argumentieren, die CGIL habe ihn aus rein politischen Gründen ausgerufen.

"Verlasse Scheißland"


Unterdessen sorgt Berlusconi erneut für Aufregung: In einem abgehörten Telefonat soll er Italien als "Scheißland" bezeichnet haben. Laut einer Nachrichtenagentur hat Berlusconi in einem Telefonat mit Valter Lavitola, dem Herausgeber einer Online-Zeitung, wörtlich gesagt: "Ich bin völlig transparent, sauber in allem, was ich tue. Man kann mir nichts vorwerfen. Die Leute können sagen, dass ich vögele. Das ist das Einzige. In ein paar Monaten werde ich fortgehen, um mich um meinen eigenen Kram zu kümmern. Ich verlasse dieses Scheißland, bei dem ich kotzen könnte." Italiens Linke rief den Ministerpräsidenten daraufhin zum Rücktritt auf.