Wien. Den umstrittenen Vorschlag, Griechenland solle zur Tilgung seiner Schulden einige seiner Inseln verkaufen, haben schon vor Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl deutsche Koalitionspolitiker und die "Bild" 2010 in Umlauf gebracht und damit empörte griechische Reaktionen hervorgerufen.

Der im Vorjahr verstorbene Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit und Exarch des Ökumenischen Patriarchats für Mitteleuropa, Erzbischof Michael Staikos, hatte in einer öffentlichen Stellungnahme die "Hetze" gegen Griechenland bedauert  und eine "derart gehässige Einstellung fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum" feststellen können.

Die "unverantwortliche populistische Stimmungsmache verschiedener Medien und Politiker" trage nur dazu bei, "alte Gräben und Wunden" wieder aufzureißen, hatte Metropolit Staikos gewarnt. Entschädigungszahlungen für Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg sind nämlich nach wie vor ausständig. Nicht vergessen ist, dass 130.000 griechische Zivilisten von der deutschen Besatzungsmacht bei Massakern, Geiselerschießungen, "Strafaktionen" und anderen NS-Verbrechen umgebracht und 70.000 griechische Juden in Vernichtungslager deportiert wurden. Über 300.000 Griechen verhungerten oder erfroren im Winter 1942/43, weil die Besatzer Nahrungsmittel und Brennstoffe beschlagnahmten, nachdem sie das griechische Gold geraubt hatten.

Deutsche Wehrmacht-Gebirgsjäger - zum größten Teil Österreicher - werden für zahlreiche Kriegsverbrechen in Griechenland verantwortlich gemacht, insbesondere für die Erschießung von mehr als 4000 italienischen Soldaten, die sich bereits ergeben hatten, auf der Insel Kephallonia (Kefalonia).

Im besetzten Griechenland "wüteten und mordeten die Gebirgsjäger, insbesondere die Erste Gebirgsdivision, der viele Österreicher angehörten", unterstrich der Nationalratsabgeordnete Johann Maier (S), der die Forderung erhoben hatte, gegen die Gebirgsjäger, die im Zweiten Weltkrieg Kriegsverbrechen verübt haben, in Österreich gerichtlich vorzugehen. Bei dem Massaker von Kommeno  (Komeno) in Nordwestgriechenland im August 1943 hatten Gebirgsjäger der 12. Kompanie der Ersten Gebirgsdivision 317 Männer, Frauen und Kinder niedergemetzelt. 97 der Ermordeten waren jünger als 15 Jahre.

In dem Bergdorf Kalavrita auf dem Nordpeloponnes verübten Wehrmachtsangehörige - mehrheitlich Österreicher - 1943 ein unbeschreibliches Massaker: Die gesamte männliche Bevölkerung, 1.436 Männer und Buben, wurden als "Vergeltung" für Partisanenüberfälle auf Besatzungssoldaten umgebracht, alle Häuser des Ortes bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Vor griechischen Gerichten anhängig sind mehr als 60.000 Schadenersatzklagen. Der Oberste Gerichtshof (Areopag) beschloss, dass griechische Gerichte für derartige Klagen nicht zuständig sind, und beendete damit vor Jahren ein langes juristisches Tauziehen. Ein Gericht hatte 1997 die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des "Großdeutschen Reiches" wegen des bestialischen Massakers an 217 Einwohnern des Dorfes Distomo, vom Säugling bis zum Greis, 1944 zu einer Entschädigung von 95 Millionen Drachmen (27,6 Millionen Euro) verurteilt. Eine Zwangsvollstreckung an deutschem Vermögen, etwa durch Pfändung des Goethe-Instituts in Athen, verhinderte die damalige griechische Regierung noch in letzter Minute.