Berlin. Nach den teils gewalttätigen Protesten in mehreren muslimischen Ländern gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film hat Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Regierungen mit Konsequenzen gedroht, die deutsche Einrichtungen nicht ausreichend schützen. "Die Regierungen der Gastgeberländer haben die unbedingte Verpflichtung, ausländische Vertretungen zu schützen", sagte Westerwelle der "Welt am Sonntag". Wo das nicht geschehe, "kritisieren wir es mit Nachdruck". "Wo es immer noch nicht geschieht, wird es nicht ohne Konsequenzen bleiben", fügte Westerwelle hinzu.

Der FDP-Politiker kündigte an, deutsche Einrichtungen aus Sicherheitsgründen notfalls zu schließen. Er wolle das aber vermeiden. "Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass der Austausch zwischen Ländern und Kulturen fortgesetzt wird", sagte er.

Fall für den UN-Sicherheitsrat?

Westerwelle schloss nicht aus, dass die gewaltsamen Proteste ein Fall für den UN-Sicherheitsrat werden. Das komme darauf an, ob die Lage weiter eskaliere. Wichtig sei aber, dass in der westlichen Welt verstanden werde, dass die Gewalttäter nicht repräsentativ für die große Mehrheit der Völker in der arabischen Welt seien. "Und dass in der islamischen Welt verstanden wird, dass die große Mehrheit der Menschen im Westen ihre Religion nicht nur respektiert, sondern Beschimpfungen und Beleidigungen auch ablehnt", sagte der Außenminister.

Zugleich wandte sich Westerwelle gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in europäischen Satirezeitschriften. Zur Freiheit gehöre immer auch Verantwortung, sagte Westerwelle der "WamS". "Manchmal lautet die Frage nicht, ob man etwas tun darf. Sondern ob man etwas tun sollte", fügte er hinzu.

Meinungsfreiheit umfasse nicht das Recht, Andersgläubige oder Andersdenkende zu beleidigen und damit absichtsvoll den öffentlichen Frieden zu stören. "Das gilt übrigens nicht nur für die unerträgliche Darstellung des Propheten als Kinderschänder, sondern auch für den Umgang mit Jahwe oder Jesus Christus."

Weitere Proteste

Die Protestwelle gegen das islamfeindliche US-Video ging am Wochenende indes weiter: Auch am Samstag demonstrierten zehntausende Menschen weltweit gegen den umstrittenen Film, auch in Europa. In Wien protestierten 700 Menschen friedlich vor der US-Botschaft gegen die Verunglimpfung des Islam. Die Gruppe der Demonstranten war sehr heterogen: Streng Gläubige mischten sich mit liberalen Muslimen, darunter fanden sich Frauen mit und ohne Kopftuch.

Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten waren junge Erwachsene. Geeint waren sie alle in ihrem Unmut und in ihrer persönlichen Betroffenheit über den umstrittenen Trailer des US-Films "Innocence of Muslims". Die Polizei sprach von einem "störungsfreien Ablauf der Kundgebung".

Kopfgeld für Tötung des Produzenten

In Pakistan gab es dagegen Gewaltaufrufe von höchster Stelle: Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour lobte ein Kopfgeld von 100.000 Dollar (76.994 Euro) für die Tötung des Film-Produzenten aus. Nach den blutigen Unruhen am gestrigen Freitag herrschte in Pakistan gespannte Ruhe.