Der Fall der russischen Aktionistinnen Pussy Riot beschäftigt nun auch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Jekaterina Samuzevitsch, die einzige Musikerin der Band, die sich auf freiem Fuß befindet, hat nach Angaben ihrer Anwältin bei dem Gericht in Straßburg Beschwerde gegen die Bedingungen ihrer sechsmonatigen Untersuchungshaft erhoben. "Ihre Rechte wurden verletzt, als sie kein Essen erhielt und nicht schlafen durfte", sagte die Anwältin Irina Chrunova der Nachrichtenagentur Reuters. Die Musikerin hatte sich bereits in einem Interview über die Haftbedingungen beklagt. Sie und die beiden anderen Band-Mitglieder hätten auch dann morgens um fünf Uhr aufstehen müssen, wenn sie erst um ein Uhr nachts ins Gefängnis zurückgekehrt seien.

"Es war ständiger Stress, wir wurden ständig bewacht, in Handschellen", sagte Samuzewitsch Reuters. Sie war nach sechs Monaten Untersuchungshaft und einer Berufungsverhandlung freigelassen worden, während die anderen beiden Bandmitglieder Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa eine Haftstrafe von zwei Jahren absitzen müssen. Die 24 und 22 Jahre alten Frauen waren wegen "Rowdytums aus religiös motiviertem Hass" verurteilt worden.

Die Gruppe hatte im Februar in einer Kathedrale mit den für ihre Auftritte charakteristischen bunten Sturmmasken über den Gesichtern in einem "Punk-Gebet" ihre Wut über den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Wladimir Putin sowie dessen enge Verbindung zur russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck gebracht.