Kiew. (leg) Nicht, dass es Oleh Tjahnybok nicht schon öfter versucht hätte: Der 43-jährige Jurist mischt schon seit Jahren im politischen Spektrum der Ukraine mit. Der Einzug ins Parlament ist dem umtriebigen Sohn einer Lemberger Arztfamilie, der in Talk-Shows ebenso von sich reden macht wie bei Kundgebungen, bisher aber noch nicht gelungen. Die Strahlkraft seiner nationalistischen und radikal antirussischen Partei "Swoboda" (Freiheit) beschränkte sich bisher auf die Gegend um Lemberg, Ternopil und Iwano-Frankiwsk, den äußersten Westen des Landes.

Dort aber dominiert die Rechtsaußenpartei seit zwei, drei Jahren in den Rathäusern und Gebietskörperschaften. Die Tjahnybok-Bewegung profitierte im prowestlichen Landesteil vom politischen Bankrott der Kräfte der Orangen Revolution um Ex-Präsident Wiktor Juschtschenko. Auch die Anziehungskraft von Julia Timoschenko hat nach dem Krisenjahr 2009, für das Timoschenko als Premierministerin verantwortlich zeichnete, deutlich nachgelassen.

Dafür stieg der Stimmenanteil von Swoboda - mit rund acht Prozent haben die Nationalisten bei der Parlamentswahl die Fünfprozenthürde ohne Mühe übersprungen. Unter den Auslandsukrainern liegt die Partei sogar auf Platz eins, vor der regierenden "Partei der Regionen". Swoboda beruft sich auf die ukrainischen Nationalisten der 30er Jahre, etwa auf Dmytro Doncow, der "anstelle von Pazifismus die Idee von Kampf, Expansion und Gewalt" gefordert hatte, und errichtet Denkmäler für jene Ukrainer, die im SS-Batallion "Galizien" gegen die Sowjetarmee kämpften.

Eines hat Tjahnybok aber wohl mit seinen schärfsten Gegnern gemein: Während der Nationalist einen "Volksstaat" anstrebt, in dem alle strategischen Unternehmen in Staatseigentum überführt werden sollen, plakatierten die Kommunisten den Slogan "Geben wir das Land dem Volk zurück!" - und erreichten mit Parolen gegen "Bourgeois" und Oligarchen rund 15 Prozent, also fast 10 Prozent mehr als bei den letzten Wahlen im Jahr 2007. Die KP profitierte vor allem im Süden und Osten von der Enttäuschung über die Politik von Präsident Wiktor Janukowitsch - Nationalist Tjahnybok fuhr im Westen die Ernte ein. Die Ukraine bleibt gespalten.