Allerdings wird das Parlament alles andere als einen geschlossenen Eindruck bieten. Die sozialistische MSZP-Fraktion bleibt der Gedenkstunde fern. Man sei nicht einverstanden damit, dass die Fraktionen nicht zu Wort kommen sollten, teilten die sozialistischen Abgeordneten gestern mit. Die meisten von ihnen, allen voran der frühere Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány, stoßen sich auch an dem äußerst pathetischen Ton, in dem das Gesetz und die Begründung dazu abgefasst sind.

So heißt es in der Begründung nicht nur, dass es darum gehe, die Beschlüsse von Trianon zu verstehen und auszuarbeiten. Es soll zudem gezeigt werden, dass das aus seiner Sprache und Kultur schöpfende Ungartum auch nach der historischen Tragödie zur nationalen Wiedergeburt fähig sei und die vor ihm liegenden historischen Aufgaben bewältigen werde.

"Größte Tragödie"

Trianon selbst wird in dem eine Präambel und fünf Paragraphen umfassenden Gesetz nicht nur als eine der größten historischen Tragödien des Ungartums bezeichnet, sondern auch als Friedensdiktat, durch welches das historische Ungarn zerstückelt wurde, was bis heute ungelöste politische, wirtschaftliche, juristische und geistige Problem mit sich bringe. Diese ließen sich nur nach den Regeln des Völkerrechts lösen. Der Gedenktag soll für Menschen und Völker im Karpatenbecken eine Anregung dazu sein, "über für das Ungarntum wichtige Fragen anders zu denken" und so zu wechselseitigem Verständnis zu gelangen.

Die Einführung des Gedenktags sorgt erneut für Spannungen mit dem nördlichen Nachbarn Slowakei. In Bratislava ruft es besondere Empörung hervor, dass in dem Gesetz Auslandsungarn als Bestandteil des einigen ungarischen Volkes bezeichnet werden und künftig jedes Jahr am 4. Juni auch derer gedacht werden soll, die als Nicht-ungarn ihre Solidarität mit dem Ungarntum bekundet haben. Damit erhebe Budapest anders als bei der Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft für Auslandsungarn Anspruch auf die ungarisch-sprachige Minderheit in der Slowakei als Ganzes.

Auf den Ausgang der slowakischen Parlamentswahlen am 12. Juni dürfte sich das jüngste Geschehen in Budapest hingegen kaum noch auswirken. Lediglich die Slowakische Nationalpartei von Ján Slota schlägt seit einigen Tagen betont anti-ungarische Töne an.