London. (wak) Die Körperschaftssteuer auf das Einkommen juristischer Personen beträgt in Großbritannien zwischen 20 und 26 Prozent. In Irland sind es auf dem Papier nur 12,5 Prozent. In Österreich beträgt die Körperschaftssteuer 25 Prozent. Aber was nützen die Steuersätze, wenn sie nicht gezahlt werden?

Die US-amerikanische Kaffeehauskette Starbucks machte in Großbritannien 2011 zwar einen Umsatz von 207 Millionen Pfund (255 Millionen Euro). Die nach London abgeführten Steuern fielen hingegen mit nur 1,8 Millionen Pfund sehr gering aus. Das funktioniert so, dass Unternehmen wie Starbucks "Lizenzen" für die Filialen, die an den Mutterkonzern in den USA gezahlt werden, überdurchschnittlich hoch ansetzen - so hoch, dass der Gewinn ins Negative dreht. Mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen keinen besteuerbaren Ertrag mehr schreibt. Der globale Starbucks-Finanzverantwortliche Troy Alstead erklärte, dass sein Unternehmen in den 15 Jahren, die es in Großbritannien operiert (mit über 400 Filialen), bisher fast nur Verluste geschrieben habe. Die weltgrößte Kaffeekette hat demnach in 13 Jahren erst 8,6 Millionen Pfund an Steuern gezahlt.

Dass es um Starbucks in Großbritannien gar so schlecht stehe, sei "schwer zu glauben" - angesichts der unzähligen Jubelmeldungen, die der Konzern an seine Aktionäre aussendet, meint hingegen der Bericht, der am Montag im britischen Parlament präsentiert wurde. Im vergangenen Monat waren Vertreter von drei multinationalen Konzernen, neben Starbucks auch Amazon und Google, ins britische Parlament vorgeladen worden, die über die Steuerpraktiken Rede und Antwort stehen mussten. Dabei seien sie "nicht überzeugend und in einigen Fällen ausweichend" gewesen, erklärte die Labour-Abgeordnete Margaret Hodge. "Das ist eine Beleidigung der britischen Unternehmer und Einzelpersonen, die sehr wohl einen fairen Beitrag leisteten."

Legal aber "unmoralisch"

Das mag zwar legal sein, aber es sei "unmoralisch" - so formuliert es der Prüfungsausschuss des britischen Parlaments, der am Montag seinen fertigen Bericht vorgelegt hat.

Der Online-Händler Amazon vermeidet ebenfalls die 25-prozentige Steuer auf seinen Unternehmensertrag, indem er sein europäisches Headquarter in Luxemburg betreibt. Damit gelang es Amazon vergangenes Jahr, weniger als 12 Prozent an Gewinnsteuern zu zahlen.