Der IWF verrechnete sich - mit schwerwiegenden Folgen für Griechenland. - © (c) AP
Der IWF verrechnete sich - mit schwerwiegenden Folgen für Griechenland. - © (c) AP

Wien. Der Internationale Währungsfonds IWF hat sich mit Prognosen für Europas Schuldenkrise massiv verrechnet: Wie die hochrangigen IWF-Ökonomen Olivier Blanchard und Daniel Leigh nun in einem "Working Paper" einräumten, hat die Wissenschaftsabteilung der mächtigen Institution die Folgen eines strikten Sparkurses für das Wachstum einer Volkswirtschaft stark unterschätzt. In einigen hoch verschuldeten Staaten der EU könnte dieser Lapsus, der auf einer wissenschaftlichen Fehlannahme beruht, dazu beigetragen haben, die Schuldenkrise noch zu verschärfen.

"Vorhersagen unterschätzten den Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Rückgang des Privatkonsums und der Investitionen durch die fiskalische Konsolidierung signifikant", schreiben die beiden Ökonomen. Konkret wurde konstatiert, dass ein durch Ausgabensenkungen gesparter Euro das Bruttoinlandsprodukt kaum beeinträchtigen würde - tatsächlich reduzierte es sich aber um 1,5 Euro pro gesparten Euro.

Die Fehlberechnung wurde nach Angaben der beiden IWF-Ökonomen ab Oktober 2012 richtiggestellt. Die Dramatik, die die Fehleinschätzung dennoch nach sich gezogen hat: Der Sparzwang, der etwa Griechenland auferlegt wurde, berief sich maßgeblich auf die ökonomischen Vorhersagen des IWF als Teil der sogenannten Troika.

Im Oktober hatte der stellvertretende Finanzminister Griechenlands, Christos Staikouras beklagt, dass die internationalen Geldgeber die Folgen von drei Jahren Sparpolitik falsch berechnet hätten. In Griechenland ist bereits mehr als jeder Vierte arbeitslos, die Wirtschaft liegt in Trümmern.