Mailand. (rm) Angesichts neuer Untersuchungen der italienischen Justiz gegen seine Person rief Silvio Berlusconi, der sich am Freitag vor einem Mailänder Gericht in einem Berufungsprozess wegen Steuerbetrugs verantworten musste, für den 23. März zu Protestdemonstrationen auf. Er bezeichnete einen Teil der Richterschaft wörtlich als "Krebsgeschwür der Demokratie", nachdem er die Justiz erst am Tag vor den Wahlen als "schlimmer als die Mafia" verunglimpft hatte.

In dem Berufungsprozess am Freitag ging es um fingierte Verkäufe von TV-Rechten, wo die Kosten um hunderte Millionen Dollar aufgebläht wurden und nach Ansicht des Staatsanwalts Geld in Berlusconis Kassen geflossen ist, was dieser aber in Abrede stellte.

Die neuen Vorwürfe gegen Berlusconi, denen die Staatsanwaltschaft in Neapel nachgeht, betreffen Geldflüsse in der Höhe von 3Millionen Euro für den Parteiübertritt des Senators Sergio De Gregorio, der 2006 von der Linkspartei "Italien der Werte" zu Berlusconis PdL gewechselt ist. De Gregorio gestand, dass er zwei Millionen schwarz erhalten hat und eine weitere Million für seine Bewegung. Er sei damals bis über den Hals in Schulden gesteckt, sagte De Gregorio aus und die Beträge seien Monat für Monat eingetroffen. Im Nachhinein, wie die Untersuchungsrichter feststellten, weil Berlusconi seinem neuen Senator, dem man auch die Präsidentschaft in der Verteidigungskommission verschafft hatte, nicht ganz traute. Die Zeitung "la Repubblica" berichtete am Freitag, dass ein Teil des Geldes über die Konten De Gregorios an Leute aus dem Kreis der Camorra geflossen ist.