Vorgesehen ist auch ein Vorkaufsrecht, das lokale Interessenten bevorzugt. An erster Stelle kommt der Staat - wenn er gleich viel für eine Fläche bietet wie ein privater Interessent, bekommt er den Zuschlag. In der weiteren Folge würden der bisherige Pächter oder lokale Bauern bevorzugt.

Die Fidesz-Regierung dürfte von ihrem Vorkaufsrecht durchaus Gebrauch machen wollen: Laut offiziellen Stellen hat der Nationale Bodenfonds allein für heuer 3 Milliarden Forint (10 Millionen Euro) budgetiert, um damit "Spekulation zu verhindern". Der staatliche Fonds verwaltet derzeit 1,8 Millionen Hektar Nutzfläche.

Selbstanzeige nur bis 1. Juli

Teile davon gehen allmählich in private Hand oder Pacht über. Das ist meist ein lukratives Geschäft, weil üppige Subventionen winken, schreibt die Denkfabrik TNI - und erhebt den Vorwurf, der Bodenfonds verkaufe Flächen oft an eine kleine Gruppe regierungsnaher Personen. Der Vorwurf der Günstlingswirtschaft wird von ungarischer Seite strikt zurückgewiesen: Es seien überhaupt erst 40.000 Hektar des Bodenfonds verpachtet worden. Die Vergabekriterien seien strikt und würden eine Bevorzugung ausschließen. Sollten Verstöße vermutet werden, sollten diese bei der Justiz zur Anzeige gebracht werden.

Dass ein Ziel des Bodengesetzes darin besteht, Ausländer vom Landkauf in großem Stil fernzuhalten, wird indes nicht dementiert. Eine Diskriminierung von Ausländern sieht man darin aber nicht: Das Gesetz solle ebenso reiche westungarische Spekulanten davon abzuhalten, große Fläche in Ostungarn zu erwerben. Ob all das mit EU-Recht in Einklang steht, halten Experten für fraglich. Zur Beurteilung müsse aber der endgültige Text vorliegen.

Zittern lässt etliche Österreicher, dass die Regierung Orbán eine "Aktion scharf" gegen sogenannte Taschenverträge angekündigt hat. Sie wirft Österreichern (und in geringerem Maß Holländern und Deutschen) vor, mit ungarischen Strohmännern illegale Absprachen über Landkäufe getroffen zu haben, um sich so den Zugriff auf wertvolles Land zu sichern. Der Name kommt daher, dass die undatierten Verträge "in der Tasche" versteckt bleiben sollten, bis der Kauf offiziell legal ist.

Diese Spekulation werde jedoch nicht aufgehen, versichert die Regierung. "Wer sein Land rechtmäßig erworben hat, kann ruhig schlafen", heißt es. Gegen rechtswidrige Käufe werde man hingegen konsequent vorgehen, kündigt auch Botschafter Vince Szalay-Bobrovniczky an.

Am 1. Juli endet eine Frist, die illegalen Käufern eine strafbefreiende Selbstanzeige ermöglicht - das Land muss im Gegenzug abgetreten werden. Nach dem 1. Juli drohen nach neuer Rechtslage Haftstrafen zwischen einem und fünf Jahren. Das Ministerium sagt, bisher seien "mehrere" Meldungen eingelangt. Detaillierte Zahlen gebe es aber erst nach Fristablauf. Die Angaben, wie viel Land wirklich illegal von Ausländern erworben wurde, divergieren auf geradezu groteske Weise. "Die Taschenverträge sind ein Vorwand der ungarischen Politik, um die österreichischen Bauern schlecht zu machen", sagt Agrarattaché Ernst Zimmerl von der österreichischen Botschaft in Ungarn. Er weist auf eine Kommission hin, die schon 2001 unter der früheren Regierungszeit Viktor Orbáns Untersuchungen angestellt hatte. Von 1506 Anzeigen seien damals 1480 sofort als unbegründet zurückgelegt worden. 26 Fälle wurden untersucht, nur 77 Hektar seien als verdächtig übrig geblieben. Dieser Kommission seien die Wahlen in die Quere gekommen - die sozialistische Nachfolgerregierung habe die Causa nicht konsequent weiterverfolgt, sagen die Ungarn.