Nach erneuten Protesten gegen die Bebauung des zentral gelegenen Gezi-Parks in Istanbul hat die Regierungspartei AKP ein Referendum ins Gespräch gebracht. Man könnte die Bevölkerung über eine Überarbeitung der Baupläne abstimmen lassen, sagte der stellvertretende AKP-Chef Hüseyin Celik am Mittwochabend vor Journalisten. Zugleich forderte er die Demonstranten auf, den Park umgehend zu verlassen. Andernfalls sei die Polizei gezwungen, erneut gegen sie vorzugehen.

Im Gezi-Park hielten zuletzt einige hundert Menschen in Zelten aus. An den Bebauungsplänen hatten sich die landesweiten Proteste vor knapp zwei Wochen entzündet. Innerhalb kurzer Zeit wuchsen sie sich zu einer Demonstrationswelle der Unzufriedenheit über die Politik von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan aus.

In der Nacht auf Mittwoch hatten sich Polizei und Demonstranten die schwersten Auseinandersetzungen seit Beginn der Proteste gegen die konservative Regierung geliefert. Mehr als 18 Stunden lang ging die Polizei in Istanbul mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Tausende Demonstranten vor, aus deren Reihen Steine, Feuerwerkskörper und Brandsätze geworfen wurden. Es gab Dutzende Verletzte. Seit Beginn der Proteste kamen nach offiziellen Angaben drei Menschen ums Leben. Präsident Abdullah Gül rief zum Dialog auf. Er betonte aber, Gewalt werde nicht geduldet.

Reporter festgenommen

Mittlerweile wurde bekannt, dass bei den Protesten auch zwei kanadische Journalisten festgenommen wurden. Arrested, meldete der Fernsehreporter Saša Petricic des Senders CBC am Mittwoch über Twitter. Sein Kollege Derek Stoffel twitterte "Saša und mir geht es gut. In Gewahrsam, aber okay. Danke für die netten Worte. Werde bald ohne Telefon sein, also gute Nacht."

Was genau den beiden erfahrenen Nahostkorrespondenten vorgeworfen wird, war zunächst unbekannt. Kanadas Außenminister John Baird kündigte an, sich in den Fall einzuschalten.