Ein albanischer Arbeiter auf der Insel Santorin. Die Einwanderer sind aus der griechischen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. - © reu
Ein albanischer Arbeiter auf der Insel Santorin. Die Einwanderer sind aus der griechischen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. - © reu

Athen. Ein Nachmittag in Aigaleo, einem Arbeiterviertel in Athen: Die Sonne scheint an diesem heißen Tag kräftig auf den Asphalt, vorbeifahrende Autos wirbeln den Staub von den dreckigen Straßen auf. Vorsichtig zieht Jorgos die Läden seines Peripteros - ein kleiner Kiosk, der in griechischen Städten eine weit verbreitete Institution darstellt - hinunter, um sein Geschäft vor Schmutz zu schützen. Ein Stammkunde kommt vorbei und fragt, ob Jorgos seine Lieblingszigaretten Karelia wieder auf Lager hat.

Währenddessen haben sich neben dem Periptero von Jorgos zwei Albaner eingefunden und reden gestenreich miteinander. Der Kunde mit den Zigaretten betrachtet die Gruppe kurz und wendet sich dann Jorgos zu: "Albaner!", sagt er im verächtlichen Ton. Jorgos möchte eigentlich nicht antworten, zu häufig hat er diese Situation in Athen durchlebt. Schließlich gibt er sich einen Ruck. Er lächelt und antwortet in einwandfreiem Griechisch: "Ich bin eigentlich auch ein Albaner."

Weitreichender Wandel


Der Kunde mustert Jorgos aufmerksam und ist erstaunt, dass er die tatsächliche Herkunft des Verkäufers nicht schon viel früher erkannt hat. Wie aus Trotz entgegnet der Kunde, dass nichts auf seine Abstammung hätte deuten können. Dass das so ist, erfüllt Jorgos mit einem gewissen Stolz.

Als Albaner in Griechenland zu leben heißt nicht nur, sich anzupassen. Der Wandel, den viele Einwanderer vollziehen, ist viel weitreichender und greift sogar in die Persönlichkeit und das äußere Erscheinungsbild ein.

Jorgos heißt eigentlich Blerim und lebt seit etwa zwanzig Jahren in Griechenland als albanischer "refugjat", Flüchtling, wie sie sich hier selbst bezeichnen. Albaner in Griechenland zu sein, bedeutet Jorgos oder Kostas heißen zu wollen oder sich dazu gezwungen zu fühlen. Und noch mehr gilt es, durch nichts aufzufallen, was die griechische Bevölkerung zu der Annahme verleiten könnte, man sei Albaner. Zu sehr herrscht ein antialbanisches Klima vor, wird mit dem Bild des albanischen Flüchtlings das des ungebildeten und vermeintlich gefährlichen Einwanderers assoziiert.

Griechenlands Hauptstadt Athen ist seit dem Fall des Kommunismus in Albanien vor zwanzig Jahren erster Anlaufpunkt für viele Migranten geworden. Die Massenankunft der Albaner während der 90er Jahre war ein unvorhersehbares Ereignis, mit dem die Griechen zunächst vollkommen überfordert waren. Hinzu kam, dass die Zuwanderung von Anfang an einen illegalen Charakter hatte. Die historische, aber vor allem auch die geographische Nähe der beiden Länder hat Griechenland zu einem der bevorzugten Auswanderungsziele von Albanern werden lassen.