Budapest. Unter der Überschrift "Wer half der Todesbrigade?" beschäftigen sich ungarische Medien am Samstag mit dem Prozess um die Mordserie an Angehörigen der Roma-Minderheit, in dem am Dienstag das Urteil gesprochen wurde. Die drei Hauptangeklagten wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, der vierte Angeklagte zu 13 Jahren Freiheitsentzug. Bei ihm handle es sich um Istvan Cs., der als "geheime Kontaktperson" mit dem Amt für Militärische Sicherheit (KBH) kooperiert haben soll, schreibt die Tageszeitung "Magyar Nemzet".

Der liberale Politiker Jozsef Gulyas forderte eine Untersuchung durch den Parlamentarischen Ausschuss für Nationale Sicherheit. Es solle ermittelt werden, welche Verantwortung das KBH bei der verspäteten Aufdeckung der Roma-Morde trage, welche Berichte der Führungsoffizier über Istvan Cs. geschrieben habe und welche Berichte über die "bekannten und unbekannten Debrecener Kreise verfasst wurden, die an den Angriffen gegen Roma hätten beteiligt sein können". Die Verurteilten lebten in der nordungarischen Stadt Debrecen.

Weitere Täter?

Gulyas leitete 2009 eine Arbeitsgruppe zur Aufdeckung des Geheimdienst-Hintergrundes der Morde. Nach Ansicht von Gulyas gibt es weitere Täter oder Mittäter, sodass nach den Urteilen in erster Instanz nach weiteren, bisher noch nicht verhafteten Angreifern auf Roma gefahndet werden müsse. Die Akten dürften nicht geschlossen werden, zitiert ihn das Internetportal Index.

Die Regierungspartei Fidesz-MPSZ unterstützt die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zwecks Klärung der damaligen Rolle des KBH und die Feststellung dessen, wo die politischen Fäden des Falles enden. Die oppositionellen Sozialisten, die grüne LMP und die rechtsradikale Jobbik-Partei stimmen ebenfalls einer Untersuchung zu.