Istanbul . Polygame Araber stehen in der Türkei vor einem Dilemma. Mit dem Erwerb einer Immobilie erhalten sie die Aufenthaltsgenehmigung für sich und ihre Familien. Die laizistische Türkei erlaubt aber per Gesetz nur eine Ehefrau. Türkische Immobilienmagnaten plädieren nun für eine Ausnahmeregelung. Die Mehrheit der Türken zeigt sich hingegen überhaupt nicht erfreut über zu viel ausländische Nachbarschaft.

Es herrscht Krisenstimmung in der türkischen Immobilienbrache. Die neue kaufkräftige Kundschaft aus den arabischen Staaten schaltet auf stur. Vor allem die Saudis sind nicht gewillt, auf eine ihrer bis zu vier Ehefrauen zu verzichten, wenn sie ins türkische Feriendomizil anreisen. Es kann aber nur für eine Ehefrau ein Langzeitaufenthalt beantragt werden. Die Branche fürchtet um ihre Gewinne.

Nach Informationen der türkischen Tageszeitung "Radikal" sollen die Behörden des Ministeriums für Umwelt und Stadtentwicklung bereits an einer Lösung des Problems und einer neuen Vorschrift im Sinne der neuen reichen Immobilienkundschaft arbeiten.

Die türkische Bevölkerung ist hingegen skeptisch. Einer aktuellen Umfrage der Vereinigung der Immobilienfonds GYODER zufolge sind rund 65 Prozent der Türken nicht gewillt, Ausländer in ihrer Nachbarschaft zu dulden. Vor allem der Zuzug arabischer Männer mit ihrem gesamten Hausstaat von bis zu vier Frauen stößt vielen auf.

Aber das Problem reicht tiefer. Viele Türken sehen in dem Verkauf von Häusern an Ausländer einen Ausverkauf der Heimat und wettern gegen die Verscherbelung türkischen Grund und Bodens an Fremde.

Mit einem im Vorjahr verabschiedeten Gesetz hat die Türkei die Obergrenze des zulässigen Grundbesitzes von Ausländern von 2,5 auf bis zu 60 Hektar angehoben. Noch wichtiger war die Streichung des bis dato geltenden Prinzips der Gegenseitigkeit: Nur Bürger jener Länder, in denen Türken der Grundbesitz erlaubt war, durften bisher in der Türkei Häuser kaufen. Das hinderte besonders die Araber am Immobilienerwerb.

Mit der Abschaffung der Klausel hat die Türkei nun für Investoren aus diesem Raum Tür und Tor geöffnet. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem die Saudis haben die Gelegenheit am Schopf ergriffen und führen die Liste der arabischen Hauskäufer 2013 in der Türkei an. Allein in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres sind 773 Liegenschaften an Saudis verkauft worden. Nach den Saudis folgen die Iraker, Kuwaitis, Emiratis und Jordanier im Ranking der Topkunden aus dem arabischen Raum.

Allein in diesem Jahr haben rund 15.000 Ausländer etwa 21.700 Häuser in der Türkei eingekauft. Die größte Nachfrage stamme bisher von Russen, Deutschen und Briten. Die Araber seien beim Häuserkauf aber auf der Überholspur, heißt es aus Immobilienkreisen.

Der prominente Immobilienmagnat Ali Agaoglu, bekannt für seine Kollektion an Luxuskarossen und für seine engen Kontakte zur AKP, hat für das delikate Problem bereits die passende Lösung parat. Polygame Immobilienkäufer sollten jeweils eine Wohnung oder ein Haus für jede der Ehefrauen erwerben.