Dennoch sitzt der Hauptfeind der heutigen Erben der OUN nicht in Warschau, sondern in Moskau. Kein Wunder, ist doch die Unabhängigkeit der Ukraine höchstens von Nordosten bedroht. In Ternopil kann man Sticker mit der Aufschrift "Danke dir, Gott, dass ich kein Moskowiter bin" kaufen. Oder die rot-schwarzen Fahnen der UPA, die auch auf dem Maidan in Kiew bei den Protesten gegen Janukowitsch gezeigt werden. Plakate fordern dazu auf, keine russischen Produkte zu kaufen. Anders sieht man das im Süden und Osten der Ukraine: Hier gelten die Kämpfer der UPA als Faschisten, als NS-Kollaborateure, als Verräter an der Heimat - rekrutierte sich aus ihnen doch im Zweiten Weltkrieg die Waffen-SS-Division Galizien, die Kriegsverbrechen verübte.

Marsch in die Mitte der Gesellschaft ist geglückt

Dennoch ist Swoboda, die in den 1990er Jahren unter dem Namen "Sozial-Nationale Partei der Ukraine" eine politische Randexistenz führte, der Marsch in die Mitte der Gesellschaft geglückt. Die Unzufriedenheit mit dem Janukowitsch-Regime treibt Tjahnybok immer neue Anhänger zu, die paramilitärische Radikalität der Bewegung unterscheidet Swoboda deutlich von den meisten anderen Parteien, die eher lose, von Oligarchen finanzierte Wahlbündnisse darstellen.

Der OUN-Kampfruf "Ehre der Ukraine!", der wahlweise mit "Ehre den Helden!" oder "Tod den Feinden!" beantwortet wird, hallt heute auch durch die Hauptstadt Kiew, wie jüngst am 1. Jänner, als Swoboda einen Fackelzug zu Ehren des 105. Geburtstages von Stepan Bandera veranstaltete. Dass der Jüdische Weltkongress noch im Mai 2013 die Partei als "neonazistisch" bezeichnete und ein Verbot von Swoboda forderte, dass im selben Monat eine Delegation der Partei die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag besuchte, ficht die Swoboda-Wähler nicht an. Die Bewegung wird nicht als rechtsextrem oder neonazistisch gewertet, sondern als patriotisch.

Tjahnybok kann nicht nur auf sein Bündnis mit Jazenjuk und Klitschko verweisen. Mit Timoschenkos "Vaterland"-Partei hatte Swoboda bei den letzten Parlamentswahlen aus taktischen Gründen sogar eine Kooperation bei der Listenerstellung vereinbart, um sich nicht Stimmen wegzunehmen und somit dem gemeinsamen Feind Janukowitsch zu nutzen. Der Marsch der Nationalisten dürfte weiter nach oben führen.