Bozen. (ag/wak) Seit Enrico Letta mit April 2013 italienischer Ministerpräsident geworden ist, haben sich in Südtirol die Gemüter wieder beruhigt. Mit Lettas Vorgänger Mario Monti war man nämlich südlich des Brenners nicht besonders glücklich. Im November 2012 war etwa eine Delegation der Südtiroler in der Hauptstadt der sogenannten Schutzmacht, also in Wien, und hat bei ihren Besuchen bei Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Michael Spindelegger "ihre große Besorgnis bezüglich der kontinuierlichen Missachtung des Autonomiestatuts und getroffener Vereinbarungen durch die Regierung Monti" zum Ausdruck gebracht.

Für Unmut sorgte, dass Italiens Regierung im Rahmen ihrer Sparpolitik die Regionen mit Sonderstatus stärker zu Kassa bieten wollte. Zudem hat Monti in einem Interview mit dem "Kurier" gemeint, dass die Schutzmachtfunktion Österreichs überholt sei, und damit für heftige Kritik gesorgt.

Der damalige Außenminister Michael Spindelegger hatte daraufhin neuerlich betont, dass Österreichs Schutzfunktion für Südtirol "nicht zur Disposition" stehe.

"Wir haben Wien ersucht, bei jeder Gelegenheit, bei jedem Treffen, in jeder Aussprache zwischen Vertretern Österreichs und Italiens darauf hinzuweisen, dass Österreich seine Schutzmachtfunktion auch weiterhin wahrnimmt", erklärte auch Landeshauptmann Luis Durnwalder. Über die Zusicherungen Österreichs, in Rom auf die Einhaltung der Verpflichtungen Südtirol gegenüber zu pochen, zeigte er sich zufrieden.

Ein halbes Jahr später hat der nun amtierende italienische Ministerpräsident Letta bei seinem Antrittsbesuch in Österreich dem Bundeskanzler Werner Faymann erklärt, strittige Punkte zwischen Bozen und Rom innerhalb weniger Monate lösen zu wollen.

"Die Aussagen Lettas sind ein weiterer Beleg dafür, dass der Ministerpräsident zur Autonomie und zu den getroffenen Vereinbarungen steht", jubelte der Obmann der Südtiroler Volkspartei (SVP) Richard Theiner.

In einem Interview mit dem "Kurier" erklärte Letta, dass das Zusammenleben in Südtirol ein "großer Erfolg" sei, und Südtirol "ein gutes Vorbild für andere Regionen ist, wo es um die Integration von Minderheiten mit unterschiedlichen Sprachen geht".

Die Frage, ob dann Südtirol die Schutzmacht Österreich nicht mehr brauche, wollte der italienische Premier nicht direkt beantworten.

Das italienische Regierungsoberhaupt tat gut daran, die "Schutzmacht"-Funktion nicht in Frage zu stellen. Darüber schweigt man am liebsten, da sonst die Emotionen hüben wie drüben wieder hochgehen. Österreich ist seit dem Gruber-De-Gaspari-Abkommen, auch Pariser Abkommen genannt, aus dem Jahr 1946 "Schutzmacht" für Südtirol.

Doch in Zeiten der verstärkten Integration durch die EU gibt es zum Teil Stimmen, die die Schutzmacht für veraltet empfinden. So gibt es zum Beispiel seit 1998 die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino mit dem Ziel einer Zusammenarbeit der seit 1918 geteilten Tiroler Länder Nord- und Osttirol (heute: Bundesland Tirol), Südtirol und Welschtirol (Trentino).