Simferopol. Das Ergebnis ist deutlich: 96,6 Prozent der Teilnehmer am Krim-Referendum wünschen sich den Anschluss der Region an Russland. Dieses Resultat gab Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow am Montag via Twitter bekannt. Die Beteiligung - bei 1,8 Millionen Wahlberechtigten - lag laut der russischen Agentur Interfax bei 82 Prozent.

Mit "Autokorsi" und "Russland, Russland"-Rufen bejubelten Tausende Menschen in Simferopol den nach einem umstrittenen Referendum nun möglichen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation. Auf dem zentralen Leninplatz versammelte sich am Sonntagabend eine riesige Menge. "Wir sind zu Hause", wurde in grüner Schrift auf den Regierungssitz projiziert.

Der prorussische Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow kündigte an, alles juristisch Notwendige für einen raschen Anschluss an Russland zu unternehmen. Das Regionalparlament votierte am Montagmorgen einstimmig für die Unabhängigkeit der Krim und eine Eingliederung in das Nachbarland. Gleichzeitig wurde der Rubel als zweite offizielle Währung eingeführt. Die ukrainischen Währung Hrywnja kann noch bis zum 1. Jänner 2016 benutzt werden.

Die russische Staatsduma will ihrerseits entsprechende legistische Vorkehrungen treffen. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuvor in einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut betont, dass das Referendum aus Sicht Russlands dem Völkerrecht entspreche.

Putin gibt am Dienstag eine Erklärung vor beiden Häusern des Parlaments zur Krim-Krise ab. Dies meldet die Nachrichtenagentur Itar-Tass. Auch die Duma wird am Dienstag nach den Worten ihres Vizepräsidenten Iwan Melnikow eine Erklärung zum Referendum auf der Krim abgeben.

Kiew beschließt Teilmobilmachung

Die Ukraine reagierte am Montag mit der Billigung des Präsidenten-Dekretes durch das Parlament, das eine Teilmobilisierung der Streitkräfte einschließlich der Mobilisierung von 40.000 Reservisten vorsieht. Davon sollen 20.000 in die Streitkräfte eingebunden werden und 20.000 in eine neu gebildete Nationalgarde. Die Abgeordneten begründeten ihre Entscheidung mit der "Einmischung Russlands in die inneren Angelegenheiten der Ukraine".

Obama droht Moskau

Die westlichen Politiker sehen das anders: Sie werfen Moskau vor, dass die Abspaltung der Krim im Widerspruch zu internationalem Recht steht. US-Präsident Barack Obama drohte mit neuen Sanktionen. Moskau müsse mit "zusätzlichen Kosten" wegen der Krim rechnen, sagte Obama nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das Referendum verstoße gegen die ukrainische Verfassung. Obama habe Putin auch gesagt, dass die Krise nach wie vor diplomatisch gelöst werden könne. Das russische Militär müsse aber erst damit aufhören, in die Ukraine "einzufallen".