Kiew/Moskau. In der Ukraine zeichnet sich trotz des gemeinsamen Appells von Russland, der Übergangsregierung in Kiew, den USA und der EU für ein Ende der Gewalt keine Entspannung ab. Die pro-russischen Separatisten, die in etwa zehn Städten der Ostukraine öffentliche Gebäude kontrollierten, zeigten sich am Freitag unbeeindruckt von der in Genf getroffenen Übereinkunft.

Die USA drohten Russland mit härteren Wirtschaftssanktionen für den Fall, dass die Regierung in Moskau sich nicht an die Genfer Vereinbarung zur Lösung der Ukraine-Krise halten sollte. Man werde sehr genau beobachten, ob Russland seinen Einfluss auf die Separatisten im Osten der Ukraine nun geltend machen werde, damit diese wie vereinbart ihre Waffen niederlegten und besetzte Gebäuden verließen, sagte die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, am Freitag. Andernfalls würden die USA weitere Sanktionen erlassen, die auch wichtige Bereiche der russischen Volkswirtschaft treffen könnten.

Forderung: Anführer freilassen

Moskau müsse seiner "Verantwortung" gerecht werden, auf die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine einzuwirken und sie zur Räumung besetzter Verwaltungsgebäude zu bewegen, sagte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki. Sie verurteilte das Vorgehen der Aktivisten, die Bedingungen für einen solchen Schritt und für ihre beim Ukraine-Gipfel in Genf vereinbarte Entwaffnung gestellt haben. "Wir weisen die Bemerkungen der Separatisten in Donezk absolut zurück."

Die prorussischen Kräfte in der Ostukraine fordern unter anderem, die Regierung müsse ihren Militäreinsatz gegen die eigene Bevölkerung beenden. Zudem müsse sie festgenommene Anführer freilassen und Ultranationalisten wie den Rechten Sektor entwaffnen. Das russische Außenministerium hatte erklärt: "Selbstverständlich haben wir, wenn wir über Entwaffnung sprechen, als erstes die Abgabe von Waffen der Milizen des Rechten Sektors und anderer faschistischer Gruppen im Auge, die an dem Februarumsturz in Kiew teilgenommen haben."

Washington widersprach: "Es gibt keinerlei Parallelen zwischen der bewaffneten und illegalen Besetzung von Regierungsgebäuden, Straßen und öffentlichen Räumen im Osten der Ukraine, die eindeutig vom gestrigen Abkommen gedeckt werden, und einem legalen und friedlichen Protest", sagte Außenamtssprecherin Psaki.