Mihai-Razvan Ungureanu.
Mihai-Razvan Ungureanu.

"Wiener Zeitung": Warum erachten Sie es als wichtig, dass Rumäniens Nachbarland, Republik Moldau, das Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet?

Mihai-Razvan Ungureanu: Da Moldau im Herbst ein neues Parlament wählt, ist es absolut notwendig, alle pro-europäischen Kräfte zu mobilisieren, vor allem in Hinblick auf die schreckliche Situation im Nachbarland Ukraine. Die Separatisten in Transnistien haben die Gunst der Stunde genutzt, um Moskaus Aufmerksamkeit und Unterstützung auf sich zu ziehen. Gagausien könnte dem Beispiel Transnistriens folgen. Das moldauische Territorium ist in Gefahr. Moldaus Integration in die EU muss ein nationales Projekt für Rumänien sein. Um ein ähnliches Szenario wie in der Ukraine zu vermeiden, muss die EU kohärent und konsistent auftreten.

Wie ist es um den russischen Einfluss in Moldau derzeit bestellt?

In Transnistrien ist er von großer Bedeutung. Die Annexion der Krim war ein Präzedenzfall, und es folgte ja prompt Transnistriens Ansuchen um den Anschluss an Russland. Wenn Russland akzeptiert, wird Moldau ein ähnliches Schicksal widerfahren wie der Ukraine. Russland wird nicht aufgeben, bis Moldaus Aussicht auf Integration in die EU erloschen ist.

Wie wird die Krise in der Ukraine die Wahlbeteiligung in Rumänien beeinflussen?

Viele Menschen werden aus diesem Grund am Sonntag wählen gehen, und zwar auch als Antwort auf die inadäquate Reaktion der derzeitigen Regierung - die von den Sozialdemokraten bestimmt wird. Russlands Reaktionen zeigen, wie wichtig es ist, Teil der EU zu sein.

Was halten Sie von einer Reunion zwischen Rumänien und der Republik Moldau?

Ich denke, dass die Republik Moldau zuerst in die EU integriert werden muss. Jegliche Wiedervereinigungsbestrebungen müssen unter der Federführung der EU erfolgen. Deshalb ist die Diskussion um eine Wiedervereinigung derzeit kein Thema, oder zumindest nicht, ohne zuvor mit den Moldauern darüber diskutiert zu haben.

Wie ist die Stimmung so kurz vor den Europawahlen in Rumänien, und wie ist der Wahlkampf verlaufen?

Leider haben die Wahlkampagnen in Rumänien wenig mit europäischen Themen zu tun. Es gibt eine lange Liste politischer Parteien, die die Europawahl dazu nutzen, um für ihre Anliegen Stimmung zu machen. Sie kämpfen um Wählerstimmen, insbesondere um die der jungen Wähler, da es in unserem Land eine große Herausforderung ist, junge Menschen zum Wählen zu mobilisieren.