Norditalien: Jahrelang forderte die aus verschiedenen Autonomiebewegungen entstandene "Lega Nord" unter ihrem Chef Umberto Bossi die Unabhängigkeit des wohlhabenderen Nordens vom wirtschaftlich schwachen Süden. 1996 wurde sogar eine "Bundesrepublik Padanien" ausgerufen, allerdings ohne Folgen. Bei einem Online-Referendum im März sprachen sich in der Region Venetien 89 Prozent der 2,36 Millionen Teilnehmenden für die Unabhängigkeit aus. Das Ergebnis hat keine rechtliche oder politische Verbindlichkeit, zeigt aber die separatistischen Bestrebungen der Region.

Flandern:Dem flämischen Teil von Belgien geht es wirtschaftlich erheblich besser als der französischsprachigen Wallonie und die deshalb zu leistenden Transferzahlungen führen immer wieder zu Auseinandersetzungen. Der Konflikt der beiden Bevölkerungsgruppen geht bis ins 19. Jahrhundert zurück und führte 2010 dazu, dass ein Sprachenstreit monatelang die Bildung einer Zentralregierung in Brüssel verhinderte. Zuvor waren die flämischen Nationalisten, die einen unabhängigen Staat Flandern anstreben, zur stärksten Kraft avanciert. Erst nach einem Jahr einigten sich die Parteien und verhinderten vorerst eine Aufspaltung Belgiens. 2014 wurden die flämischen Nationalisten erneut die stärkste Kraft.

Spanisches Baskenland: Jahrzehntelang kämpfte die Untergrundorganisation ETA gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien. Bei rund 4000 Terroranschlägen kamen mehr als 830 Menschen ums Leben. Im Oktober 2011 verkündete die ETA, die von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, das Ende ihres bewaffneten Kampfes. Seither wurden keine Anschläge mehr verübt. Im Juli erklärte sie die Auflösung ihrer logistischen und operativen Strukturen. Im Juni demonstrierten über 100.000 Basken friedlich mit einer 123 Kilometer langen Menschenkette für die Unabhängigkeit der Region.

Korsika: Seit den 1960er Jahren kämpften korsische Separatisten mit Gewalt für eine Unabhängigkeit der Mittelmeerinsel von Frankreich. Bei ihren Anschlägen hatten sie oft Villen von Festlandfranzosen und Ausländern im Visier, aber auch Verwaltungsgebäude, Politiker, Beamte und Ziele am französischen Festland. Im Juni verkündete die Separatistenorganisation FLNC das Ende ihres bewaffneten Kampfes.

Sardinien: Die autonome Region Italiens will es Venetien nun gleichtun und ebenfalls ein Online-Referendum zur Unabhängigkeit von Rom veranstalten. Das Misstrauen gegenüber der Regierung in Rom ist tief in der Region verwurzelt und die Separatisten kritisieren, dass vor allem Italiener vom Festland in der Wirtschaft der Insel bestimmen und nicht die Einwohner selbst.

Republika Srpska: Das erklärte Ziel der Teilrepublik des Staates Bosnien-Herzegowina ist die Angliederung an Serbien. Der Präsident von Srpska beharrt auf der Trennung des Landesteils von Bosnien-Herzegowina und dem Anschluss an Serbien. Er bekräftigte seine separatistischen Bestrebungen im Vorfeld des Wahlkampfes in Bosnien.

Bretagne: 2013 formierte sich eine überparteiliche Protestbewegung, die Rotmützen, deren Name auf eine Widerstandsbewegung gegen Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert zurückgeht. Sie demonstrierten gegen den französischen Zentralstaat, hohe Steuern und für den Erhalt der regionalen Sprache und Kultur sowie für Subventionen von Paris. Im November 2013 kam es wiederholt zu Großdemonstrationen und Zusammenstößen mit der Polizei.