Moskau. Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Abzug von mehr als 17.000 Soldaten aus dem Grenzgebiet zur umkämpften Ostukraine angeordnet. Das teilte sein Sprecher Dmitri Peskow in der Nacht auf Sonntag mit. Demnach hielten die Soldaten im Gebiet Rostow ein Manöver ab, das nun abgeschlossen ist.

Die Führung in Kiew und der Westen hatten die Stationierung russischer Truppen in der Nähe der Konfliktregion als Provokation kritisiert. Vor dem Beschluss der Feuerpause Anfang September gab es Berichte über russische Kämpfer in den Reihen der moskautreuen Separatisten sowie über Waffenlieferungen über die Grenze, die der Kreml zurückwies.

Treffen mit Poroschenko beim ASEM-Gipfel

Nach eigenen Angaben trifft der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Kremlchef in der kommenden Woche zu Gesprächen über den Ukraine-Konflikt. Er erwarte beim europäisch-asiatischen Gipfeltreffen (ASEM) in Mailand keine leichten Verhandlungen mit Putin, sagte Poroschenko am Samstag in Charkow.

"Es herrscht Eiszeit"

Dass Putins Befehl zum Truppenabzug wenige Tage vor einem geplanten Treffen mit Poroschenko komme, das sei sicher kein Zufall, merkt der Politologe Dmitri Trenin an. Er warnt aber vor überzogenen Erwartungen an das Gespräch, das am Rande eines Gipfeltreffens in Mailand stattfinden soll. Nach 3.600 Toten sei eine schnelle Lösung der Ukraine-Krise nicht in Sicht. "Es herrscht Eiszeit", meint der Experte des Moskauer Carnegie Centers.

Er werde unter anderem auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Regierungschefs Italiens und Großbritanniens, Matteo Renzi und David Cameron, treffen, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Eine Bestätigung des Kreml lag zunächst nicht vor. Ein Gespräch sei aber nicht ausgeschlossen, hatte es zuvor geheißen.

Beide Präsidenten waren zuletzt Ende August zusammengetroffen. Die Gespräche führten Anfang September zum Abschluss einer Waffenruhe im Osten der Ukraine, doch gibt es weiterhin praktisch täglich Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und prorussischen Separatisten.

Betont lässig bei der Formel 1

Die Laune unter den Palmen von Sotschi lässt sich der russische Präsident allerdings vom Ukraine-Konflikt nicht verderben. Mit demonstrativer Lässigkeit beobachtete der Staatschef am Sonntag im Schwarzmeer-Kurort das erste Formel-1-Rennen in Russland. Die schwere Krise im Nachbarland kommentiert er nicht - die im Frühjahr annektierte Halbinsel Krim liegt nur 500 Kilometer von Sotschi entfernt.