Madrid/Barcelona. Am 9. November will die katalanische Regionalregierung von Artur Mas eine Volksbefragung über die Unabhängigkeitswünsche der Katalanen durchführen, die die vom Verfassungsgericht suspendierte Volksabstimmung ersetzen soll. Doch die meisten Bürger scheinen von dieser rechtlich wie politisch völlig unverbindlichen Befragung nicht gerade überzeugt zu sein.

Laut einer Umfrage der spanischen Tageszeitung "El Pais" vom Mittwoch unterstützen lediglich 44 Prozent der Katalanen diesen Schritt. 49 Prozent hingegen sprachen sich klar gegen die Durchführung einer solchen Befragung aus, gegen welche die spanische Zentralregierung zudem ebenfalls vor dem Verfassungsgericht Klage erheben will.

Schottisch-britisches Modell bevorzugt

Auch die Strategie der in Katalonien regierenden Nationalisten (CiU) sowie der separatistischen Linksrepublikaner (ERC) und der Neomarxisten (CUP), in Kürze "plebiszitäre" Neuwahlen durchzuführen und bei einem klaren Sieg der separatistischen Fraktion automatisch die Loslösungsmechanismen in die Wege zu leiten, trifft nicht auf großen Zuspruch. Zwei Drittel der Katalanen sprechen sich im Gegensatz für ein zwischen Madrid und Barcelona ausgehandeltes Referendum aus, das dem schottisch-britischen Modell folgt. Sollte es dennoch Neuwahlen in der nordöstlichen Region Spaniens geben, sollten diese nicht "plebiszitär" sein, meinen über die Hälfte der Befragten.

Die Ankündigung "plebiszitärer Neuwahlen" durch Kataloniens nationalistischen Ministerpräsidenten Mas (CiU) wird jedoch von der Mehrheit der separatistischen Parteien sowie von der separatistischen Bürgerplattform ANC unterstützt, die bereits vor zwei Wochen rund 110.000 Menschen auf der "Placa de Catalunya" in Barcelona versammelt hatte, um alle separatistischen Parteien zu einer gemeinsamen Wahlliste zu animieren. Diese soll als einziges Thema und Wahlversprechen die Unabhängigkeit Kataloniens haben.