Kiew/Moskau/Washington. (leg/apa) Die Phase relativer Beruhigung im Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine scheint - nach den Wahlen in den abtrünnigen "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk - wieder vorbei zu sein. Die ukrainische Armeeführung beschuldigte am Freitag Russland, mit schweren Waffen und Soldaten in den umkämpften Osten des Landes eingedrungen zu sein. 32 Panzer sollen es gewesen sein, die über die russisch-ukrainische Grenze rollten, dazu 16 Haubitzen sowie etliche Lastwägen mit Munition und Kämpfern. Die Fahrzeuge hätten schon am Donnerstag die Grenze passiert. "Die Verlagerung von Militärausrüstung und russischen Söldnern an die Frontlinien geht weiter", sagte Andrej Lysenko, der Sprecher des ukrainischen Militärs. Russland wies die ukrainischen Vorwürfe umgehend als "Provokation" zurück. Solche Behauptungen würden in Kiew auf Grundlage irgendwelcher Gerüchte im Internet und ohne jeden Beweis aufgestellt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Das Ende des - kleinen und schüchternen - Tauwetters zwischen Moskau und Kiew hatte sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet. Der Umstand, dass die prorussischen Separatisten in ihren selbst proklamierten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk eigene, von Kiew unabhängige Wahlen abhielten, hatte die ukrainische Zentralregierung erzürnt. Präsident Petro Poroschenko, der - besonders seit den Parlamentswahlen am 26. Oktober - unter Druck der gestärkten Hardliner und Falken steht, dachte bereits öffentlich darüber nach, jenes Gesetz, das mit Sonderregelungen den Separatisten entgegenkommen sollte, wieder aufheben zu lassen. Die Rebellen beschuldigten Kiew, das Truppen in den Osten des Landes verlegen hatte lassen, eine Offensive begonnen zu haben.

Auch auf internationaler Ebene verhärteten sich die Fronten in dem neuen Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass russische Truppen an die Grenze zur Ukraine herangerückt seien, was die russische Führung zu einem heftigen Dementi veranlasste. Dazu beschloss die Organisation für kollektive Sicherheit (OVKS), eine russisch dominierte Sicherheitsorganisation, die Kooperation mit der Nato abzubrechen. Die Organisation will fortan stattdessen die Beziehungen zur OSZE, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), China, dem Iran und den lateinamerikanischen Ländern intensivieren.