Berlin. Mit einer spektakulären Ballonaktion haben die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntagabend ihren Höhepunkt erreicht. Am Brandenburger Tor begannen Freiwillige damit, die an der früheren Grenze aufgestellten leuchtenden Ballons in die Luft steigen zu lassen. Insgesamt waren am Freitag in der Berliner Innenstadt 7.000 mit Helium gefüllte Ballons aufgestellt worden.

Hunderttausende waren das ganze Wochenende in Berlin unterwegs, um an den Feierlichkeiten zum Mauerjubiläum teilzunehmen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte bei der Aktion am Brandenburger Tor, die Deutschen seien noch immer stolz und glücklich, dass die Mauer vor 25 Jahren niedergerissen worden sei. Mit dabei waren auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sowie der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und Polens Ex-Präsident Lech Walesa. Die "Lichtgrenze" der leuchtenden Ballons hatte sich auf einer Strecke von 15 Kilometern in der Berliner Innenstadt erstreckt.

"Die Dinge zum Guten wenden"
"Wir können die Dinge zum Guten wenden - das ist die Botschaft des Mauerfalls." Festlich gestimmt rief die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag auf der zentralen Gedenkfeier zum Jubiläum der Maueröffnung in Berlin die Weltgemeinschaft dazu auf, internationale Konflikte zu lösen und die Menschenrechte zu achten. Ihre Botschaft richtete sie "besonders an die Menschen in der Ukraine, in Syrien und im Irak und in vielen anderen Regionen unserer Welt, in denen Freiheits- und Menschenrechte bedroht oder gar mit Füßen getreten werden."

Gedenken an die Opfer
In der Gedenkstätte an der Bernauer Straße eröffnete die gebürtige Ostdeutsche eine neue Dauerausstellung zur Geschichte der Mauer, die mehr als 28 Jahre die Stadt Berlin teilte. Immer wieder sprach die Kanzlerin bei ihrem Rundgang mit Zeitzeugen. "Der Tag der Freiheit ist immer auch ein Tag des Gedenkens an die Opfer", sagte Merkel. Dies schließe auch die Verfolgten der Staatssicherheit ein. Die DDR sei ein "Unrechtsstaat gewesen", ein "ideologiebesessenes Regime".

Die Kanzlerin forderte weitere Lehren aus der Vergangenheit. Weitere Mauern könnten eingerissen werden, sagte Merkel - "Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologien, der Feindschaften". Die deutsche Erfahrung vor 25 Jahren habe gezeigt: "Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist." Ausdrücklich würdigte Merkel die demokratischen Bewegungen in den östlichen Nachbarländern und die Politik des damaligen sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow als Voraussetzung für den Mauerfall.

Die Kanzlerin erinnerte in ihrer Rede auch an andere Ereignisse der deutschen Geschichte wie den 9. November 1938, als die Nazi-Gewalt gegen jüdische Synagogen, Bürger und Geschäfte den millionenfachen Mord an den Juden einleitete. "Deshalb empfinde ich heute nicht nur Freude, sondern auch die Verantwortung, die uns die deutsche Geschichte insgesamt aufgegeben hat." Als "großes Glück und Geschenk" würdigte Merkel die Europäische Einigung.

Bei der zentralen Veranstaltung von Bund und Land Berlin an der Bernauer Straße erinnerte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit an die mindestens 136 Menschen, die an der Mauer ums Leben gekommen sind. "Wir verneigen uns vor den Opfern der Mauer und vor den vielen Menschen, die als Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft in der DDR und allen Ländern des Ostblocks unermessliches Leid erfahren mussten", sagte er.

Die Bernauer Straße galt als Symbol der Teilung. Nach dem Mauerbau 1961 gehörten die Häuser auf einer Straßenseite zum Osten, der Gehsteig davor zum Westen. Damals spielten sich dort dramatische Szenen ab; auch Tage nach dem Mauerbau versuchten die Menschen dort noch, aus den Fenstern der Häuser in den Westen zu springen.

Deutsche protestierten an EU-Außengrenze
Gegen neue Mauern in Europa richtete sich ein Protest gegen den Grenzzaun zwischen Bulgarien und der Türkei. Rund 100 aus Deutschland angereiste Aktivisten versammelten sich am Sonntag im Raum Jambol auf der bulgarischen Seite des Zauns, den das EU-Land im Juli gegen illegale Einwanderung aus Krisenstaaten wie Syrien errichtet hatte.

Bulgariens Grenzpolizei hatte zuvor den unmittelbaren Zutritt zum Schutzzaun untersagt.   Innenminister Wesselin Wutschkow erklärte, Bulgarien werde keinen Vorstoß gegen eine "staatliche Einrichtung" zulassen. Bulgarien wolle den 30 Kilometer langen Grenzzaun ausbauen. Dies sei Teil des Koalitionsvertrages der seit Freitag amtierenden neuen Regierung, erklärte Innenminister Wutschkow.

Der nationalistische EU-Parlamentarier Angel Dschambaski sagte dem Staatsradio am Sonntag, dass "linke, grüne und anarchistische" Aktivisten so viele illegale muslimische Immigranten wie möglich in das Land eindringen lassen wollten.