Barcelona. (apa) Die inoffizielle Volksbefragung vom Sonntag über die Unabhängigkeit der spanischen Region Katalonien dürfte die Fronten zwischen Madrid und Barcelona weiter verschärfen. Trotz eines Verbots des spanischen Verfassungsgerichts und des Widerstands der Madrider Zentralregierung votierten dabei 1,8 Millionen Katalanen mit 80,7 Prozent Zustimmung für die Abspaltung der Region.

Da sich an der inoffiziellen Befragung jedoch fast ausschließlich nur Unabhängigkeitsbefürworter beteiligten und man nicht weiß, wie viele Unabhängigkeitsgegner an einem legalen Referendum teilgenommen hätten, ist das Ergebnis schwer einzuordnen. Zudem deckt sich die Liste der Abstimmungsberechtigten nur teilweise mit dem eigentlichen Wahlregister, was eine Einschätzung der wahren Mehrheitsverhältnisse bei einem und staatlich kontrollierten Unabhängigkeitsreferendum zusätzlich erschwert.

Zwar deckt sich die Zahl der Wahlberechtigten bei dem Referendum mit 5,4 Millionen Personen ungefähr mit der Zahl laut Wählerregister. Doch waren am Sonntag auch schon Bürger ab 16 Jahren zur Konsultation aufgerufen, ebenso wie alle in Katalonien ansässige ausländische Staatsbürger. Bei normalen Regionalwahlen hätten hingegen nur spanische Staatsbürger ab 18 Jahren wählen dürfen. Außerdem durften zwar außerhalb Spaniens lebende registrierte Katalanen abstimmen, solche, die in anderen Regionen des Landes wohnen, jedoch nicht. Die nationalistische Regionalregierung ging anscheinend davon aus, von ihnen nur wenig Unterstützung zu bekommen.

Kataloniens nationalistischer Ministerpräsident Artur Mas (CiU) bezeichnete das Ergebnis als "vollen Erfolg" und forderte nach der symbolischen Abstimmung nun ein echtes Unabhängigkeitsreferendum. Mas wollte noch am Montag Spaniens konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy einen Brief schreiben und mit ihm über ein "endgültiges Referendum" verhandeln. Rajoy erklärte bereits, dass er zu jedem "Dialog" bereit sei, aber nur im Rahmen der geltenden Gesetze.

Und genau auf dieser Basis dürfte es auch schon wieder mit dem Dialog zu Ende sein, meint Verfassungsrechtler Angel Sanchez Navarro. "Rajoy hat bewusst auf den legalen Rahmen hingewiesen. Denn die Verfassung sagt klar und deutlich, dass keine Region das Recht hat, Referenden über eine Abspaltung anzusetzen, und dass die Einheit des Landes unantastbar ist", erklärt Sanchez Navarro im APA-Gespräch. Der katalanische Politologe Joan Subirats geht ebenfalls nicht davon aus, dass sich Madrid durch die hohe Beteiligung beeindrucken lässt. "Justizminister Rafael Catala hat die rechtlich unverbindliche Befragung bereits als wertlos bezeichnet und Rajoy stellte noch am Tag vor der Befragung klar, solange er Regierungschef sei, werde niemand die Einheit Spaniens zerstören", so Subirats. Der Politikprofessor an der Universitat Autònoma in Barcelona befürchtet, dass sich die Fronten zwischen der separatistischen Regionalregierung und der spanischen Zentralregierung nach dieser "separatistischen Machtprobe" sogar noch verhärten werden, da sie mit der verbotenen Befragung die Autorität der Zentralregierung infrage stellten.

Katalonien macht Schule

Unterdessen nehmen auch in Italien separatistische Bestrebungen zu. Jeder dritte Italiener will sich von Rom loslösen, geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage der römischen Tageszeitung "La Repubblica" hervor. Separatistische Tendenzen wachsen nicht nur in Norditalien, wo die rechtsföderalistische Oppositionspartei Lega Nord seit Jahren mit ihren sezessionistischen Slogans Erfolg hatte. Auch auf Sizilien und Sardinien wächst die Forderung nach einer Loslösung von der Zentralregierung in Rom. 45 Prozent der Befragten auf Sardinien drängen auf ihre Unabhängigkeit, in Sizilien liegt dieser Prozentsatz bei 44 Prozent. Am stärksten ist die Forderung nach Unabhängigkeit im norditalienischen Veneto. 53 Prozent der Befragten befürworten laut der Umfrage die Trennung vom Rest Italiens.