Kiew/Donezk. (leg/czar/apa) Die Krise in der Ukraine verschärft sich erneut: Rund um die ostukrainische Industriemetropole Donezk haben sich die jüngst aufgeflammten Kämpfe weiter verstärkt. Die leidgeprüfte Stadt wurde am Mittwoch von Artilleriebeschuss erschüttert, es kam zu den heftigsten Kämpfen seit Tagen. Dazu bereitet sich das ukrainische Militär - nach eigener Aussage - intensiv auf eine neue Offensive der prorussischen Rebellen vor. Die Armee würde Einheiten im Osten des Landes verlegen, um auf neue Angriffe zu reagieren, erklärte Verteidigungsminister Stepan Poltorak am Mittwoch. "Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, eine Militäraktion vorzubereiten", sagte der Minister.

Kiew erhält in dem Konflikt Flankenschutz aus dem Westen. Die Nato bestätigte nach einer zweitägigen Untersuchung Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), wonach Waffen und Kämpfer mit Lastwagen aus Russland in die Ostukraine transportiert werden. Die OSZE hatte von einem neuen Konvoi mit 43 nicht gekennzeichneten Fahrzeugen östlich von Donezk berichtet. Einige der Wagen hatten demnach schwere Waffen geladen und fuhren in Richtung der Separatistenhochburg. "Wir haben Konvois mit russischer Ausrüstung, russischen Panzern, Luftabwehrsystemen der russischen Artillerie und russische Truppen in die Ukraine einfahren sehen", erklärte der Nato-Oberkommandierende, US-General Philip Breedlove, am Mittwoch in Sofia. Die Grenze Russlands zur Ukraine sei "völlig porös" und "weit offen", kritisierte der US-General. "Einheiten, Geld, Hilfen, Ausrüstung, Waffen fließen völlig unkontrolliert hin und her über die Grenze, und das ist keine gute Situation."

Russland wies die Vorwürfe der Nato umgehend zurück. Generalmajor Igor Konaschenkow, der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, sagte, es "gab und gibt keinen Beweis" hinter einer solchen Behauptung. Die russische Armee sei nicht in der Ukraine präsent. Boris Litwinow, ein Führer der Rebellen, erklärte, dass die Kämpfer - wie die russische und die ukrainische Armee - zwar sowjetische Technik benutzen. "Aber wir haben sie im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet." Die Rebellen, die weite Teile der Bergbau-Region im Osten der Ukraine kontrollieren, verweigern Kiew überdies die Lieferung von Kohle, solange die Kampfhandlungen nicht beendet sind. "Es ist Krieg. Wir können doch nicht diejenigen mit Kohle beliefern, die uns beschießen", sagte Alexej Granowski, der Energieminister der abtrünnigen Donezker Volksrepublik.

Hahn will mehr Hilfen für Kiew


Indessen stellte der für Nachbarschaftspolitik zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn der Ukraine weitere finanzielle Unterstützung in Aussicht. Allerdings würde er die von Kiew erhoffte Geber-Konferenz - die schon Anfang des kommenden Jahres stattfinden könnte - in eine "Investoren-Konferenz" umbenennen. Wenn Geld fließe, solle es nämlich als eine Investition angesehen werden, erklärte Hahn in Brüssel. Die Rückzahlung müsse aber nicht immer eine finanzielle sein; das Resultat könne auch höherer Wohlstand und damit geringerer Migrationsdruck sein.