"Wiener Zeitung": Herr Minister Katrougalos, Sie sind erst am Dienstag als stellvertretender Minister für Verwaltungsreform vereidigt worden. Sie haben bereits bekannt gegeben, dass alle "verfassungswidrig entlassenen Beamten wieder in den Staatsapparat zurückkehren". Wer ist das? Und um wie viele Personen handelt es sich?

Georgios Katrougalos im Interview.
Georgios Katrougalos im Interview.

Georgios Katrougalos: Ich möchte zunächst folgendes klarstellen: Es handelt sich hierbei nicht um ’Neueinstellungen‘, wie teilweise falsch berichtet worden ist. Korrekterweise sollten wir von der ’Aufhebung von Entlassungen‘ sprechen. Konkret betrifft dies alle von der Vorgängerregierung zunächst vorübergehend in die sogenannte Arbeitsreserve gesteckten, faktisch suspendierten Staatsdiener, die nach Ablauf dieser Übergangszeit entlassen worden sind.

Es handelt sich hierbei um ungefähr 3500 Personen. Das sind Schulwarte, die Putzfrauen des Athener Finanzministeriums sowie Lehrer in der technischen Ausbildung. Diese Zahl umfasst ausdrücklich nicht die 2656 entlassenen Mitarbeiter des früheren Staatssenders ERT, den die vorige Regierung Samaras im Juni 2013 handstreichartig abgeschafft hat. Unser Regierungsprogramm sieht vor, ERT wiederzugründen. Diese Sache fällt aber nicht in meinen Zuständigkeitsbereich in diesem Ministerium.

Wann kehren die entlassenen Beamten zurück?

Sofort.

Weshalb tun Sie das?

Das haben wir vor den Wahlen versprochen - und das setzen wir nun um. Noch einmal: Diese Staatsdiener sind verfassungswidrig entlassen worden. Ich sage das als Verfassungsrechtler. Es galt also, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen.

Griechenland hatte beim Ausbruch der Krise im Frühjahr 2010 genau 768.009 Staatsdiener. Mittlerweile hat sich die Zahl der Staatsdiener auf rund 550.000 verringert, fast ausschließlich durch die natürliche Fluktuation, indem mehr Beamte in den Ruhestand gegangen als neue eingestellt worden sind. Das hatten ihre Vorgängerregierungen im Einvernehmen mit Griechenlands öffentlicher Gläubiger-Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) so beschlossen. Überdies sollte 15.000 Beamten im Jahr 2013 und 2014 der Laufpass gegeben werden. Sie nehmen das jetzt zurück. Wollen Sie den Staatsapparat wieder aufblähen?