Washington/Berlin. Die Ukraine könnte nach ihrem wirtschaftlichen Absturz durch einschneidende Reformen und mit internationaler Finanzhilfe bald wieder auf Wachstumskurs liegen. "Die Talsohle sollte nach unseren Erwartungen im ersten Halbjahr 2015 durchschritten sein", heißt es in einem IWF-Bericht. Allerdings werde die ukrainische Wirtschaft im Gesamtjahr mit rund 5,5 Prozent noch einmal stärker schrumpfen als bisher mit 3,4 Prozent erwartet. Die Wirtschaftsleistung des Landes sei unter dem Eindruck der Kämpfe in der Ostukraine 2014 und 2015 um zusammen gut zwölf Prozent eingebrochen. 2016 sehen die IWF-Experten dann aber die Chance auf zwei Prozent Wachstum, auch wenn sie auf ungewöhnlich hohe Risiken verweisen.

In einem IWF-Memorandum, mit dem Kiew seinen Antrag auf ein Kredithilfeprogramm unterlegte, ist für die Jahre 2016 bis 2018 von einem mittelfristigen Wachstumsziel von durchschnittlich vier Prozent im Jahr die Rede. Darüber hinaus wird angestrebt, die Teuerung von 25 Prozent Ende Dezember 2014, die zunächst noch weiter steigen dürfte, schon im kommenden Jahr auf einen einstelligen Wert zu drücken. Die Regierung bekennt sich zudem zu einer Politik flexibler Wechselkurse.

Das IWF-Direktorium hat am Mittwochabend ein auf vier Jahre ausgelegtes Kreditprogramm für die Ukraine im Umfang von 16,5 Milliarden Euro bewilligt. Das Gros dieses Betrages soll schon im ersten Jahr fließen. Die IWF-Hilfen betten sich ein in ein umfassendes internationales Unterstützungspaket im Umfang von 40 Milliarden Dollar. Dazu sollen auch die Besitzer ukrainischer Staatsanleihen beitragen.

Angestrebt wird, dass die Ukraine ihre Schuldenquote bis 2020 auf 71 Prozent der Wirtschaftsleistung senkt - in diesem Jahr dürften es bis zu 94 Prozent werden.