Essen. (leg) Bernd Lucke hätte sich das wohl gerne erspart: Der Gründer der "Alternative für Deutschland" (AfD) wurde auf dem Parteitag in Essen bei seiner Rede immer wieder durch Buhrufe unterbrochen. Nach der Wahl seiner national-konservativen Konkurrentin Frauke Petry zur Parteivorsitzenden verließ der Exponent des wirtschaftsliberalen Flügels unter Personenschutz den stickig heißen Saal. Das national-konservative Lager, das Lucke eine Verengung auf Wirtschaftsthemen vorgeworfen hatte, hat gesiegt. Die Entwicklung erinnert an den Sturz Norbert Stegers als FPÖ-Chef im Jahr 1986 in Innsbruck - und an den Aufstieg der Partei unter dem Rechtspopulisten Jörg Haider.

Ob sich unter der bisherigen sächsischen Landeschefin Petry ein ähnlicher Aufstieg der deutschen AfD anbahnt, oder ob die Partei stattdessen in der Bedeutungslosigkeit versinkt, ist unklar. Der wirtschaftsliberale Flügel der AfD dürfte jedenfalls wegbrechen - obwohl Petry etwa mit dem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen ein Mann der Wirtschaftsliberalen zur Seite steht. Der Frust im Lucke-Lager ist groß, Ex-Industriepräsident Hans-Olaf Henkel warf bereits das Handtuch und verlässt die Partei.

"Partei hat sich verändert"


Lucke selbst überlegt ebenfalls einen Austritt. "Die Partei hat sich ganz grundsätzlich verändert", sagte er und zeigte sich über "islamfeindliche Äußerungen" auf dem Parteitag entsetzt. AfD-Mitglieder hatten auf dem Podium von einer "Invasion von Asylanten" gesprochen. Die Gründung einer eigenen Partei wollte Lucke nicht ausschließen.

Der Machtkampf in der AfD wird seit einem halben Jahr erbittert geführt. Einer der Streitpunkte war der Umgang mit Muslimen, wo Petry eine islamkritische Linie vertritt. Außerdem gibt es Streit um die außenpolitische Orientierung Deutschlands: Lucke gilt als Transatlantiker, seine Gegner als Anhänger einer Öffnung Richtung Russland.