Keine hundert Meter weiter, auf der anderen Straßenseite, befindet sich das Camp der linkspopulistischen "Unsere Partei", die sich den Altkommunisten verbunden fühlt: "Wir protestieren gemeinsam gegen eine korrupte, pro-europäische Regierung", sagt Vize-Parteichef Ilian Casu. Es verwundert nicht, dass er sofortige Neuwahlen fordert: Die pro-russische Opposition führt momentan in den Umfragen, der Einfluss Moskaus wächst. Waren vor fünf Jahren noch 80 Prozent der Moldawier für eine Annäherung an die EU, sind es heute nur mehr 30 Prozent. Es ist skurril, dass ausgerechnet moskautreue Gruppen von der Auseinandersetzung um den Finanzskandal profitieren könnten: Der 28-jährige pro-russische Oligarsch Ilan Schor ist einer der Hauptverdächtigen im Fall der "gestohlenen Milliarde".

Partei-Vize Casu ist siegessicher. Angst vor dem Winter habe hier niemand, poltert er, man werde bleiben, bis die Forderungen erfüllt sind. "Bisher hat die Regierung nicht reagiert, deshalb werden wir den Druck erhöhen." Wie genau das geschehen soll verrät er nicht, nur so viel: "Die Proteste werden eskalieren, mehr Menschen werden sich anschließen." Russland erwähnt Casu nicht. Darauf angesprochen, heißt es: "Es ist egal, ob ich pro-russisch oder pro-europäisch bin. Sicher ist, dass die Reformen bisher nicht funktioniert haben. Moldawien wird der EU nicht beitreten." Stattdessen strebe seine Partei innenpolitische Reformen an, "um den Wohlstand zu erhöhen".

Während Liviu und Grigoriu die Spenden ausgehen, die sie während der Großdemo Anfang September gesammelt haben, ist "Unsere Partei" bestens ausgestattet: Es gibt eine Küche, in der nicht nur heißer Tee und Kaffee, sondern auch warmes Essen verteilt werden; dicke Styroporplatten unter den Zelten schützen vor der schlimmsten Kälte und auf einer Leinwand werden rund um die Uhr Filme übertragen.

"Sie bieten den Menschen im Camp Geld und werden von reichen Privaten finanziert, während uns die Spenden ausgehen", sagt Liviu. Aufgeben sei jedoch keine Option. "Wir müssen es schaffen", sagt er. Und dann, nach einer Pause, in der es scheint, als würde er Alternativen überlegen: "Ja, es ist der einzige Weg."

Dass die Milliarde je wieder auftaucht, glaubt im Protestcamp allerdings niemand: Das Geld bleibt, ebenso wie die fiktiven Kreditnehmer, verschwunden.