Die Gefährdungslage in Österreich hat sich nach Angaben des Innenministeriumssprechers Karl-Heinz Grundböck nicht geändert. Nach wie vor müsse man "in ganz Europa von einer erhöhten Gefährdungssituation" ausgehen. Es gebe Anlass zur Vorsicht, aber nicht zu Panik, so Grundböck auf APA-Anfrage.

Europol zitiert in einem Bericht Informationen von Geheimdiensten, wonach der IS eine spezielle Kommandostruktur für Anschläge im Ausland entwickelt habe. Es werde "für Angriffe nach Vorbild von Spezialeinsatzkräften in einem internationalen Umfeld trainiert", heißt es in dem Dokument. Der IS könne jederzeit zuschlagen - gegen fast jedes gewählte Ziel, heißt es in dem Bericht. Anschläge etwa auf Nuklearanlagen oder Bahnhöfe seien zur Zeit weniger wahrscheinlich. Ziel seien "massenhaft Opfer in der Zivilbevölkerung". Der IS wolle offenbar vor allem "weiche Ziele" treffen.

Paris als Wende der IS-Strategie

Auch wenn die Jihadistenmiliz in Europa zunächst gezielt Frankreich angegriffen habe und dieses weiter besonders gefährdet sei, gebe es die Möglichkeit "von Angriffen gegen andere EU-Mitgliedstaaten in naher Zukunft", warnte der Bericht.





Die Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt im November sei nach dem Vorbild der Attentate von Mumbai in Indien im Jahr 2008 abgelaufen. "Das war eine Premiere für den IS", heißt es mit Blick auf die praktisch zeitgleich ablaufenden Angriffe auf Zivilisten. Zusammen mit Anschlägen etwa auf eine russische Passagiermaschine über dem Sinai, in der Türkei und im Libanon erschienen die Pariser Anschläge als "Teil einer breiteren Strategie, weltweit zu agieren". Die Paris-Anschläge markierten deshalb eine deutliche Wende der IS-Strategie. Anschläge seien nun international ausgerichtet und würden von Spezialkräften ausgeführt.

Keine konkreten Beweise

Es gebe "keine konkreten Beweise, dass reisende Terroristen systematisch den Flüchtlingsstrom nutzen, um unerkannt nach Europa zu kommen", erklärte Europol weiter. "Eine echte und unmittelbar drohende Gefahr" sei aber, dass sunnitische Muslime "in der syrischen Flüchtlingsdiaspora anfällig für Radikalisierung werden, sobald sie in Europa sind". Radikale Islamisten könnten versuchen, sie gezielt anzuwerben.

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch den IS hat das neue Anti-Terrorismus-Zentrum von Europol am Montag offiziell seine Arbeit aufgenommen. 40 bis 50 Experten sollen sich vorwiegend auf die Identifizierung von rund 5.000 ausländischen Kämpfern des IS konzentrieren und Propaganda aus dem Internet bekämpfen. Bei der Behörde in Den Haag sollen Ermittlungen nationaler Polizeidienste koordiniert werden. Das Zentrum sei "ein wichtiger Schritt vorwärts", um eine "aggressive, neue Form des internationalen Terrorismus zu bekämpfen" und einen besseren Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten zu ermöglichen.

Europol warnte gleichzeitig davor, sich nur auf die Bedrohung durch den IS zu konzentrieren. "Al-Kaida ist weiter ein Faktor, der in Betracht gezogen werden muss, und Grund für die EU, sich auf ein breiteres Spektrum religiös inspirierter Gruppen zu konzentrieren", hieß es.