Es sind vor allem alte Menschen, Pensionisten, die in den Separatistengebieten geblieben sind. Knapp 700.000 Renten haben die Separatisten laut eigenen Angaben zuletzt in der "DNR" ausgezahlt, Schätzungen zufolge ist jeder zweite oder dritte Bewohner ein Pensionist. Für das Budget kommt fast ausschließlich Russland auf, wie die International Crisis Group recherchiert hat. Junge und gut ausgebildete Menschen haben hingegen versucht, woanders Fuß zu fassen - in der Ukraine oder in Russland.

Aufständische am Flughafen

Selbsternannter "Verteidiger der Wahrheit": Janus Putkonen.
Selbsternannter "Verteidiger der Wahrheit": Janus Putkonen.

Doch auch für manche junge Menschen gibt es kein Zurück mehr. Kaum dem Teenager-Alter entwachsen, da haben sich Maksim und Wadim schon dem "Aufstand", dem bewaffneten Kampf der Separatisten gegen die ukrainische Armee, angeschlossen. Heute wärmen sie ihre Hände vor einem kleinen Ofen, sie scherzen und trinken Energy Drinks. Sie sitzen aber nicht in einem der kleinen Häuschen, die abseits von Donezk so zahlreich die Dorfstraßen säumen. Sondern in einem feuchten Eck am Donezker Flughafen.

Einst war der Flughafen von Donezk ein Symbol einer stolzen, wohlhabenden Stadt, erst vor vier Jahren wurde der neue Terminal anlässlich der Fußball-Europameisterschaft eröffnet. Heute ist der Flughafen eine Ruine, ein zerfledderter Kadaver aus Metall, Blech und Stahl. Bruchstücke der Fassade krächzen im Wind, das Areal ist vermint. Monatelang war der Flughafen umkämpft, bis er vor etwas mehr als einem Jahr von den Separatisten zurückerobert wurde. Scharmützel mit den ukrainischen Truppen gibt es hier immer noch, vor allem nachts. "Ping-Pong-Shelling" hat das zuletzt der OSZE-Chef Alexander Hug genannt. Am Abend des Feiertages, dem "Tag der Vaterlandsverteidiger", hallten besonders viele Schüsse durch die Nacht. "Wer weiß", sagt Wadim. "Vielleicht war es nur ein Gruß zum Feiertag?"

Eigentlich ist die Heimat von Maksim und Wadim so nah, aber doch so fern. Beide kommen aus Artemiwsk, die Stadt wird allerdings von der ukrainischen Armee kontrolliert. "Wenn ich die Grenze überquere, komme ich gleich 15 Jahre ins Gefängnis", sagt Maksim. "Ich habe schon den Einberufungsbefehl zum ukrainischen Heer erhalten", erzählt Wadim, "mein Bruder war damals schon bei den Aufständischen, also habe ich auch mich ihnen angeschlossen, um nicht gegen meinen eigenen Bruder zu kämpfen." Mittlerweile ist der Flughafen zum neuen Zuhause für die Burschen geworden. "Ich habe hier schon meinen Geburtstag, Weihnachten und Neujahr gefeiert", sagt Maksim. "Zu Neujahr war es aber ziemlich kalt - da hatte es minus 25 Grad!", erinnert sich Wadim.

Und so sind sie gestrandet, die "Aufständischen", wie sie genannt werden, und haben sich in den Ruinen eingenistet. Mit ihren Familien sind sie zumindest telefonisch und über soziale Netzwerke verbunden. Es ist ungewiss, ob und wann sie wieder nach Hause können und was die Zukunft bringt. Nur eines weiß Maksim genau: "Den Flughafen geben wir nicht mehr her."