Vilshofen. Von stürmischen Ovationen begleitet haben Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern sowie der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Mittwoch in Vilshofen in Bayern leidenschaftliche Bekenntnisse gegen den Rechtspopulismus, für Europa, Solidarität und soziale Gerechtigkeit abgegeben.

Rund 5.000 Besucher hatten sich anlässlich des Politischen Aschermittwochs der SPD in einem Festzelt am Donauufer versammelt, wo Blasmusik, Bier und Weiswurst für guten Stimmung sorgten. Beim Einzug der Hauptredner Schulz und Kern, gefolgt von politischen Funktionären und Amtsträgern aus mehreren Ländern, darunter auch aus Österreich, brandete rhythmischer Applaus auf. Rufe wie "Hoch die internationale Solidarität" folgten der Ansprache von Kern.

Trump als warnendes Beispiel

Schwerpunkt der Reden der beiden sozialdemokratischen Parteiführer bildeten Warnungen vor Rechtspopulismus und Nationalismus. Der SPÖ-Chef betonte, man lebe heute in einer Welt, in der "Selbstverständlichkeiten", die man jahrzehntelang gewohnt war, "nicht mehr gelten". Der Kanzler wies dabei insbesondere auf den Brexit und den neuen US-Präsidenten Donalds Trump hin. An Trump sehe man, was geschehen könne, "wenn Rechtspopulisten Europa führen".

Nach der deutschen Bundestagswahl im September würden "Österreich und Deutschland einen roten Bundeskanzler haben", zeigte sich Kern optimistisch über einen Wahlsieg der SPD. "Nach einer Phase von wenig Optimismus ist die politische Wende in Deutschland in Griffweite." Die deutsche Bundestagswahl sei eine "Schlüsselentscheidung" über die deutschen Grenzen hinaus. "Da geht es um die Frage, wie Europa geführt wird."

"Bollwerk gegen Ausgrenzung"

Der frühere EU-Parlamentspräsident Schulz erinnerte daran, dass Deutschland und Österreich in Form von AfD und FPÖ Gemeinsamkeiten in Sachen Rechtspopulismus hätten. Dagegen seien SPD und SPÖ "Bollwerk gegen Ausgrenzung und Abschottung sowie gegen Nationalismus". Der Rechtspopulismus habe für nichts eine Lösung. Mit einer Rhetorik der 20er und 30er Jahre und dem Motto "mein Land zuerst" dürfe man nicht der Jugend die Zukunft stehlen.

"Meine Generation, 1955 geboren, war die erste, die von der Wiege bis zur Bahre keinen Krieg erlebt hat, ich will, dass das für meine Kinder und Kindeskinder so bleibt. Daher ein entschiedenes Nein an Nationalisten, die das zerstören wollen", erklärte der designierte SPD-Chef. Schulz übte auch heftige Kritik an Trump und anderen rechtspopulistischen und nationalistischen Politikern wie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, den die CSU hofiere. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wolle er nicht als Wahlkämpfer für sein Präsidialsystem in Deutschland sehen.