Rom/Bozen. Die jüngsten Äußerungen von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sorgen weiterhin für Unmut in Italien. Mehrere italienische Politiker appellierten an Wien, moderatere Töne anzuschlagen. Italiens Außenminister Angelino Alfano kritisierte am Mittwoch die Tonart Österreichs als Wahlkampfrhetorik. Alfano wird am Donnerstag in Wien erwartet, zu einem Treffen mit Kurz dürfte es aber nicht kommen.

"Früher oder später wird auch der österreichische Wahlkampf enden und dadurch wird sich auch die Tonart wieder beruhigen", sagte Alfano am Mittwoch bei einem Besuch in Bozen. Am Brenner würden die Dinge auch dank der Zusammenarbeit mit Österreich gut funktionieren, betonte Italiens Außenminister, "und wir werden weiterhin ein Maximum an Sicherheit garantieren".

Zuvor hatte bereits sein Stellvertreter Mario Giro die Regierung in Wien zu moderateren Tönen gegenüber Rom aufgefordert. "Man kann nicht die Beziehungen zwischen Staaten wegen Wahlkampfdebatten aufs Spiel setzen", so der Vize-Außenminister. Die Debatte rund um die Brenner-Grenze bezeichnete Giro als "surreal". Es gebe keinen "Anstieg der Migrantenzahl am Brenner, wie auch die österreichischen Behörden bereits mehrmals betont haben".

Äußerungen von Kurz "deprimierend"


Kritik kam auch von der italienischen Parlamentspräsidentin Laura Boldrini, die die Äußerungen von Kurz beim EU-Außenministerrat am Montag als "deprimierend" bezeichnete. "Diese Drohungen haben wir schon gehört und sie haben zu nichts geführt. Politik betreibt man nicht mit Drohungen, mit Grenzschließungen oder mit dem Militär", so Boldrini. Drohungen wie jene von Österreich würden lediglich Angst und Unmenschlichkeit nähren.

Kurz hatte beim EU-Außenministerrat am Montag in Brüssel Italien erneut vor einem "Weiterwinken" von Flüchtlingen Richtung Norden gewarnt. Notfalls "werden wir die Brenner-Grenze schützen", hatte Kurz gedroht.