Eleftherios Papagiannakis kommt mit zehn Minuten Verspätung in sein dunkles, kühles Büro. Bei 36 Grad Außentemperatur bleibt die Glastür zur großen Terrasse geschlossen. Er streift im Vorbeigehen den runden Konferenztisch, der vor einem leeren Kamin steht und lässt sich hinter seinem Schreibtisch nieder, auf dem, versteckt in einem Dokumentenstapel, auch ein Prospekt des Wiener Burgtheaters liegt. Erst als das Interview beginnt, legt er sein Handy auf die Seite, das während des einstündigen Gespräches mehrmals vibrieren wird. Ende Juli hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Dublin III bestehen bleibt, was bedeutet, dass Flüchtlinge aus anderen EU-Ländern zurück nach Griechenland geschickt werden können. Eine enorme Herausforderung für das Land und Athen.

Wiener Zeitung: Herr Papagiannakis, wie bewerten Sie das sture Festhalten vieler EU-Staaten an Dublin III?

Eleftherios Papagiannakis: Das Dublin-Abkommen wurde in den Neunzigern geschlossen, als die Situation in Europa noch eine völlig andere war. Sich in der Flüchtlingspolitik heute hinter einem solch veralteten Abkommen zu verstecken, ist unklug. Stellen Sie sich vor, Deutschland schickt Leute in die Ankunftsländer zurück. Das bedeutet einen enormen Druck für die europäischen Grenzstaaten und verhindert, dass sich Solidarität unter den EU-Ländern entwickelt.

Wie meinen Sie das?

Der Grund, warum wir zusammen sind, ist doch, dass wir gleich denken in Bezug auf Solidarität, Entwicklung, Menschenrechte. Dublin III schützt nur die inneren Länder Europas. Als das Abkommen unterschrieben wurde, sagten viele Menschen in Italien und Griechenland, dass solche Entscheidungen in ein paar Jahren Konsequenzen für uns haben werden. Das aktuelle Dilemma in Europa haben wir aufgrund vieler Entscheidungen, die in Bezug auf die Krise getroffen wurden.

Auf welchen Entscheidungen spielen sie an?

Europa war nicht vorbereitet. Wir wussten, dass da Millionen Menschen an der türkisch-syrischen Grenze sind. Das wussten wir vier, fünf Jahre. Und wir wussten, dass sie eines Tages fliehen, hierherkommen und bleiben werden. Die griechische Entscheidung, zu sagen "Lasst sie weiterziehen" und Angela Merkels "Wir schaffen das" waren politische Pull-Faktoren. Aber solange wir den Konflikt in Syrien nicht lösen, kommen diese Menschen so oder so. Und jetzt sprechen alle von der Flüchtlingskrise. Es ist eine Managementkrise, aber keine Flüchtlingskrise. Selbst wenn 250.000 Menschen in Griechenland festsitzen, sollten wir fähig sein, damit umzugehen.