Prag. (klh) Hayato Okamura ist ein gläubiger Christ, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Und er warnt mittlerweile öffentlich vor seinem Bruder: Tomio Okamura sei ein Populist geworden, der viel zu weit gehe, sagt Hayato Okamura gegenüber tschechischen Medien.

Hayato und Tomio Okamura haben beide einen japanischen Vater und eine tschechische Mutter. Doch während Hayato ein Mitglied der Christdemokraten ist, ist Tomio Okamura Vorsitzender der Partei "Freiheit und direkte Demokratie" (SPD) und versucht, mit rechtsradikalen Parolen Wähler zu gewinnen: So hat er zum Boykott muslimischer Geschäfte aufgerufen - und überhaupt setzt er den Islam mit Terrorismus gleich. Zudem spricht sich Tomio Okamura für einen Austritt aus der EU aus. Und soziale Leistungen wolle man "keinen Parasiten" mehr geben, verkündet seine Partei. Die Hetzparolen scheinen zu verfangen: Bis zu zehn Prozent der Stimmen werden der Partei bei der Parlamentswahl, die diesen Freitag und Samstag stattfindet, vorausgesagt.

Auf der anderen Seite des Parteienspektrums stehen die Piraten vor einem Erfolg: Erstmals könnten sie ins Parlament einziehen, prognostiziert werden ihnen bis zu 8,5 Prozent der Stimmen. Die von jungen Leuten getragene Partei ist bereits in Stadträten vertreten und wirbt damit, dass sie dort bewiesen hätte, saubere Politik zu machen.

Einen schweren Stand haben die beiden einstigen Großparteien: Die neoliberale Demokratische Bürgerpartei (ODS) und die Sozialdemokraten (CSSD) vereinten bei der Parlamentswahl 2006 noch mehr als 60 Prozent der Stimmen auf sich. Davon übrig geblieben ist gerade einmal ein Drittel. Zwölf Prozent werden der CSSD und gar nur neun der ODS vorausgesagt.

ANO streift die Lorbeeren ein

Die ODS hat sich von einer Reihe von Finanzskandalen nie richtig erholt. Bei der CSSD hat dieser Absturz allerdings einen überraschenden Aspekt: Mehr als 20 Prozent erhielt sie noch bei der letzen Wahl 2013 und stellte daraufhin mit Bohuslav Sobotka den Premier. Während ihrer Regierungszeit wuchs die Wirtschaft permanent, und die Arbeitslosigkeit ist mit rund drei Prozent die niedrigste in ganz Europa.

Doch die Lorbeeren streift der Milliardär Andrej Babis ein: Er war mit seiner Bewegung ANO ebenfalls Teil der Regierung und zeitweise Finanzminister. Der Unternehmer verspricht, den Staat wie einen Konzern zu führen, und profitiert davon, dass es kaum starke Gegner auf der politischen Bühne gibt. Obwohl ihn Korruptionsaffären belasten, liegt Babis in den Umfragen mit 25 Prozentpunkten klar in Front.

Den Sprung ins Parlament dürfte auch die Partei Top 09 von Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg schaffen: Sie ist die Heimat der Pro-Europäer und spricht sich wie keine andere Partei dezidiert für einen Beitritt zum Euro aus.