So gehört auch diese Geschichte zur dritten Amtszeit Putins: die von den Protesten. Sie richten sich freilich nicht direkt gegen Putin, sondern beziehen sich auf soziale, wirtschaftliche oder lokale Forderungen. Zwischen Januar und September 2017 hat das Center for Economic and Political Reforms (CEPR) russlandweit den Rekordwert von 1100 Protesten gezählt. Das hänge auch mit der Wirtschaftskrise zusammen, nachdem die Ölpreise und der Rubel in den Keller rasselten, glaubt die Politologin Jekaterina Schulmann. Ihre These: Weil der russische Staat sich künftig verstärkt über die Steuern der Bürger finanzieren müsse anstatt über Rohstoffeinnahmen, würden die Bürger auch mehr Bewusstsein für den Staat entwickeln. Und bürgerliche Rechte - wie das Recht auf Protest - stärker einfordern. "Wenn die Leute das Gefühl haben, dass ihnen der Staat nichts mehr schenkt, sondern ihnen etwas wegnimmt, wird sich ein bürgerliches Bewusstsein entwickeln", meint Schulmann.

Das Wort "Politik" spricht Jelisejew zwar immer noch so aus, als würde er auf eine saure Zitrone beißen. Aber Wählen gehört für ihn mittlerweile zur Bürgerpflicht. Bei den Kommunalwahlen im Herbst hat er für die Opposition gestimmt, auch zu den Präsidentschaftswahlen wird er hingehen - zum ersten Mal seit 2000, als er dem damals noch unbekannten und etwas farblosen Ex-Geheimdienstler Wladimir Putin seine Stimme gab. Diesmal wird er den kommunistischen Kandidaten Pawel Grudinin wählen. Nicht, weil er seine Stalinismus-Aussagen gut fände oder kommunistische Ideale verträte. "Das ist meine Proteststimme", sagt Jelisejew. "Wenn ich schon sonst nichts verändern kann, dann werde ich Putin zumindest mit meiner Stimme ein bisschen kitzeln."