Wien. Sieben Monate nach dem Mord am slowakischen Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova sind die Ermittlungen offenbar in der entscheidenden Phase. Die Polizei habe aller Wahrscheinlichkeit nach den oder die Auftragsmörder festgenommen, hieß es seitens der slowakischen Behörden. Demnach wurden in der Nacht auf Donnerstag in der Südslowakei insgesamt acht Personen festgenommen, mehrere Hausdurchsuchungen in der Kleinstadt Kolarovo waren am Donnerstag noch im Gange.

Eine der Razzien wurde im Haus eines ehemaligen Polizisten durchgeführt. Bei der Person, die zuletzt als Wachmann arbeitete, handelt es sich nach Ansicht der slowakischen Fahnder um den mutmaßlichen Doppelmörder, wie die "Wiener Zeitung" in Erfahrung bringen konnte.

Politische Konsequenzen

Die jüngsten Entwicklungen im Mordfall Kuciak werden politische Konsequenzen haben. Denn der Doppelmord am 21. Februar in Velka Maca hatte in der Slowakei ein politisches Erdbeben zur Folge. In Bratislava kam es zu den größten Massenprotesten seit der Wende 1989. Zehntausende versammelten sich auf den Straßen und klimperten mit ihren Haustorschlüsseln, um den Rücktritt der Regierung unter dem Sozialdemokraten Robert Fico (Smer) zu fordern. Tatsächlich räumten Innenminister Robert Kalinak und Premier Fico in der Folge ihre Ämter. Auch Polizeipräsident Tibor Gaspar musste dem Druck der Straße weichen, er wurde ebenso abgelöst wie der Chef der Antikorruptionseinheit der Polizei, Robert Krajmer. Ein Sonderstaatsanwalt musste ebenfalls gehen.

Kuciak hatte im Internetportal Aktuality.sk, das zum Medienkonzern Ringier Axel Springer Slovakia gehört, immer wieder über mutmaßlichen Steuerbetrug berichtet. Der 27-Jährige hatte dabei auch prominente Unternehmen ins Visier genommen, die seinen Recherchen zufolge Geschäftsverbindungen zu den regierenden Sozialdemokraten und zu Kreisen der organisierten Kriminalität hätten.

Die Proteste und die Wut nach der Ermordung Kuciaks richteten sich gegen ein korruptes politisches System, dem auch Kontakte zur Mafia nachgesagt werden. Wie der slowakische Investigativjournalist und Autor Milan Zitny der "Wiener Zeitung" bestätigte, hat sich der Verdacht, dass der Mord von politischer Seite angeordnet sein könnte, vorerst zerschlagen. Für seine letzte Geschichte für Aktuality.sk berichtete Kuciak zwar über den Verdacht des Steuerbetrugs in Verbindung mit einem Komplex von Luxuswohnungen in Bratislava, und der Projektentwickler hatte beste Verbindungen in die Politik, doch diese Spur verlief im Sand. Vermutungen, wonach die italienische Mafia ihre Finger mit im Spiel gehabt haben soll, hätten sich aufgelöst, so Zitny.