Salzburg. Als Streitvermeider wird Christian Thielemann wohl nicht in die Geschichte eingehen. Scherben pflastern den Weg des Stardirigenten. Die Deutsche Oper Berlin verließ er nach einem Zank ums Budget; bei den Münchner Philharmonikern drängte er einen Intendanten aus dem Amt und zog schließlich nach einer Kraftprobe mit dem Stadtrat ab; als Musikchef der Staatskapelle Dresden mit regelmäßig Diensten an der Semperoper - sein aktueller Posten - sorgte ein Kompetenz-Zwist noch vor Dienstantritt dafür, dass der designierte Opernintendant gefeuert wurde. "Wo kühn Kräfte sich regen, da rat ich offen zum Krieg", sagt Göttervater Wotan im "Ring des Nibelungen". Thielemann, ein Meisterinterpret Richard Wagners, dürfte dies unterschreiben.

Konflikt spitzt sich zu

Nun stehen die Zeichen wieder auf Sturm, und er droht sich über den Salzburger Osterfestspielen zu entladen. Seit 2013 sind Thielemann und die Staatskapelle Dresden die Hauptattraktion des einwöchigen, von Herbert von Karajan begründeten Edel-Festivals. Seine Alleinherrschaft könnte Thielemann hier bald verlieren. Die Gesellschafter der Festspiele (Land und Stadt Salzburg, Tourismus-Verband, Förderverein und die Karajan-Stiftung) haben nämlich einen neuen Intendanten nominiert. Peter Ruzicka hat dieses Amt bisher dezent im Hintergrund ausgeübt, nun aber wurde Nikolaus Bachler gekürt (67) - und der ist eine starke Führungsfigur. Nach Chef-Jahren bei den Wiener Festwochen, an der Volksoper, dem Burgtheater und aktuell der Bayerischen Staatsoper München soll Bachler 2020 als kaufmännischer Leiter zu den Osterfestspielen stoßen. Für 2022 ist geplant, dass er die "künstlerische Gesamtverantwortung" übernimmt, im Zusammenspiel mit Thielemann. "Wir setzen auf gute Kooperation von Christian Thielemann, Nikolaus Bachler und Staatskapelle Dresden", verlautete Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) Ende der Vorwoche.

Thielemann selbst sieht das freilich anders. Im heurigen Spätsommer, während sich die Salzburger Vorliebe für Bachler immer stärker herauskristallisierte, machte er seine Abneigung klar. "Mit Herrn Bachler wird es nichts. Wenn die Politiker ihn wollen, muss ich gehen", schrieb er in einer SMS an Aufsichtsratsvorsitzende Sarah Wedl-Wilson und legte einen Monat später nach: "Ich habe NIE gesagt, ich könne mir eine Zusammenarbeit mit Herrn Bachler vorstellen." Dem gestandenen Intendanten selbst beschied er in einem Brief: "Nach meiner sicheren Einschätzung fehlt es an dem für eine solche Kooperation unabdingbaren persönlichen Vertrauensverhältnis. Im künstlerischen Bereich muss aber ein solches bedingungsloses Vertrauensverhältnis vorhanden sein und bildet die Basis der Zusammenarbeit. (. . .) Weder kann dies von Ihnen erwartet werden noch möchte ich in die Lage versetzt sein, Ihnen fachliche Weisungen erteilen zu müssen."