(mj) Als Klaus Albrecht Schröder 1999 die Leitung der Albertina übernahm, war es um die größte grafische Sammlung der Welt schlecht bestellt: Wilfried Seipel, damals Direktor des Kunsthistorischen Museums, wollte die seit 1994 wegen Renovierung geschlossene Institution seinem Museumsverbund eingliedern. Die Jahre davor war das Haus vor allem zur Anlaufstelle für Spezialisten geworden. Den umfangreichen Beständen fehlte es nicht nur an Ausstellungsfläche, sondern auch an modernen Standards entsprechenden Depots. Der Museumsmanager Schröder schrieb die Krisengeschichte der Albertina zur Erfolgsstory um.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit der Wiedereröffnung 2003 wurden aus der Gesamtfläche von 2500 m2 22.000 m2, aus 150 m2 Ausstellungsfläche mehr als 5000 m2. Einst fanden jährlich um die 10.000 Besucher den Weg in das Palais des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Im Verlauf der vergangenen zehn Jahre glitten rund 700.000 Kunstinteressierte pro Jahr unter dem Flugdach von Hans Hollein die Rolltreppe hinauf, um durch die 21 renovierten und mit Originalmöbeln ausgestatteten Prunkräume sowie durch die großzügigen Ausstellungshallen zu flanieren. Zwischen 2003 und 2013 wurden rund 540 Gemälde und Skulpturen, 5600 Druckgrafiken und Zeichnungen und 9200 Fotografien den bestehenden Sammlungsbereichen einverleibt. Der Gesamtwert dieser Sammlungsexpansion beläuft sich auf rund 453 Millionen Euro. Davon entfallen 7,7 Millionen auf etwa 3700 Werke, die als Schenkung in die Albertina kamen.

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Aufstieg verknüpft mit Bedeutungsverlust der Grafik

Unter Schröders Führung avancierte die Institution zum Flaggschiff der heimischen Museumslandschaft. Mit dieser Neupositionierung ging allerdings auch die Aufweichung der Kernkompetenzen einher. "Die Albertina ist nicht mehr die größte grafische Sammlung, sondern sie hat die größte grafische Sammlung der Welt", vermeldete der Hausherr dementsprechend in einem Interview vor wenigen Tagen. Zu sehen bekam man die wertvollen zeichnerischen und druckgrafischen Bestände in der Vergangenheit deshalb oft nur im Rahmen von Blockbuster-Ausstellungen, wo ihnen Ölmalereien nicht selten die Show stahlen. Und auch die Schausammlung besteht nicht aus den weltberühmten grafischen Konvoluten Alter Meister, sondern aus Malereien der klassischen Moderne, die das Sammlerpaar Batliner 2007 der Albertina als Dauerleihgabe überließ. Schröder erntete viel Kritik dafür wie auch für die stiefmütterliche Behandlung der Fotografie. Von den insgesamt 99 Ausstellungen seit der Wiedereröffnung 2003 waren gerade einmal 16 diesem Medium gewidmet.

Aber ein Museum muss heute wie ein Unternehmen funktionieren, das weiß Schröder nur zu gut. Große Namen wie Monet und Picasso klingen da schlichtweg verlockender als Begriffe wie Daguerreotypie. Wer mit seinen Ausstellungen für die Auslastung der Hotelbetten sorgt, hat offensichtlich keine Konkurrenz. Der Vertrag von Klaus Albrecht Schröder wurde, wie seit Dienstag bekannt, um fünf Jahre verlängert. Beworben hatte sich außer ihm selbst niemand.