Wien. (irr) Die Geldnot des Burgtheaters dürfte auch für das Publikum Folgen haben: Wie die "Wiener Zeitung" erfuhr, steht eine Erhöhung der Kartenpreise bevor. Der Schritt war bereits am Donnerstag bei einer Vollversammlung angedeutet worden: Direktor Matthias Hartmann und der kaufmännische Leiter Thomas Königstorfer informierten über die prekäre Finanzsituation, die man durch Sponsoring, aber eben auch Karteneinnahmen verbessern will.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Presse" soll zugleich beim Personal gespart werden: Die Jahresverträge der Schauspieler Therese Affolter, Corinna Kirchhoff, Liliane Amuat, Udo Samel und Michael Masula würden nicht verlängert, heißt es; die Kollegen Michael König und Peter Wolfsberger wiederum gingen in Pension, ebenso der Fotograf Georg Soulek: Er ist der Lebensgefährte der ehemaligen Vizedirektorin Silvia Stantejsky, die als kaufmännische Leiterin die Bilanzen des Hauses schöngefärbt haben soll und jüngst entlassen wurde.

Abwärtsspirale vermeiden

Hartmanns Sprecherin bestätigt den Bericht der "Presse" grosso modo, will sich aber nicht zu einzelnen Namen äußern. Sie betont vor allem, dass Hartmann einen weiteren Personalabbau vermeiden will. Ja, mehr noch: Er habe versprochen, "alles dafür zu tun, die Nicht-Verlängerungen rückgängig zu machen". Statt Opfer einer Abwärtsspirale zu werden, will sich die Burg ihrer "Ressourcen besinnen". Das bedeutet auch, dass das Haus künftig auf Gäste und technische Unterstützung von außen tunlichst verzichten will. Außerdem wird in der nächsten Saison ausnahmsweise eine Produktion gestrichen.

Nötig sind die Einschnitte wegen eines strukturellen Defizits. Im Jahr 1999, als die Bundestheater ausgegliedert worden waren, erhielt das Haus 43,7 Millionen Euro Subvention; derzeit sind es 46,4 Millionen. Das sieht auf den ersten Blick nach mehr aus, entspricht angesichts der Inflation aber einem Minus von 20 Prozent. Lohnerhöhungen und Sachkostensteigerung muss das Haus aus eigener Kraft stemmen. Ebenso ergeht es Institutionen wie der Staatsoper oder den Salzburger Festspielen: Immer wieder werden darum Rufe nach einer substanziellen Steigerung der Mittel laut. Der neue Kulturminister Josef Ostermayer konnte zuletzt immerhin eine Kürzung vermeiden: Im Gegensatz zu anderen Ressorts bleiben die Ausgaben für Kunst und Kultur stabil.