Wien. Ein Intendant dürfe "nicht nur der Groupie des Spielplans" sein, sondern habe die Aufgabe, sich regelmäßig mit seinem kaufmännischen Direktor zusammenzusetzen und das große Ganze im Auge zu behalten. Diese klaren Worte zur aktuellen Burgtheater-Krise findet Frank Baumbauer, ehemaliger Intendant der Münchner Kammerspiele und Ex-Schauspielchef der Salzburger Festspiele, in der Stadtzeitung "Falter".

Wenn sich Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann darauf berufe, seine Aufgabe als Intendant bestünde darin, einen Spielplan zu erstellen, mache dieser es sich "ein bisschen einfach". Intendant sei "schlicht und einfach ein Beruf", er selbst sei "mindestens zweimal in der Woche mit meinem Kaufmann zusammengesessen und habe über Gagen, Subventionen, Personalpolitik oder Synergieeffekte geredet". Ein Intendant könne nicht sagen, "ich bin jetzt mal zehn Wochen auf der Probebühne". Das gehe "vielleicht in einem Theater, wo die Mitarbeiter so gut aufeinander eingespielt sind, dass der Intendant mal ein paar Wochen verschwinden kann und nur für die wichtigen Entscheidungen kommt", so Baumbauer. "Aber als Ausrede kann ich das nicht bringen, das geht überhaupt nicht."

Jeder müsse "das Gesamte im Auge haben. Das nur auf die kaufmännische Direktion abzuschieben, ist nicht sehr elegant und auch nicht sehr verantwortungsvoll". Baumbauer habe "schon aus der Ferne" gesehen, dass es bei der Anzahl von Produktionen am Burgtheater und bei dem Aufwand "möglicherweise ein Problem" gebe.

"Vorausdenken ist Teil des Jobs"

Die Probleme, mit denen das Burgtheater nun zu kämpfen habe, "kommen ja nicht über Nacht, das ist eine fließende Bewegung", so der erfahrene Ex-Intendant im "Falter"-Interview. "Da muss ich doch vorausdenken, das ist Teil des Jobs." Dass das künstlerische Personal des Hauses seinem Intendanten das Misstrauen ausgesprochen hat, findet Baumbauer "sehr bedenkenswert. Das kann man nicht mal kurz so wegschwitzen und dann so tun, als wäre man gar nicht gemeint gewesen."

In schwierigen budgetären Situationen, die etwa wie im Fall des Burgtheaters mit einer Nichterhöhung von Subventionen verbunden sind, müsse man sich als Intendant mit den politisch Verantwortlichen - "nicht öffentlich, versteht sich" - zusammensetzen und die Situation besprechen. "Und ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man das inhaltlich glaubwürdig vorträgt, erkennen die Politiker an, dass das ein gemeinsames Problem ist - und nicht das Problem eines Theaters, das schlecht wirtschaftet."

Bei Vertragsverlängerungen habe Baumbauer stets gesagt: "Wenn ich mein künstlerisches Konzept nicht weiter realisieren kann, dann holt euch bitte jemand anderen, der den Wagen vielleicht mit drei Rädern fahren kann." Hartmann habe sicher genau erwogen, ob er "sein künstlerisches Ziel mit diesen Mitteln auch erreichen" könne. Fest steht für Frank Baumann jedenfalls: "Es ist der Größe und auch der Tradition dieses Hauses überhaupt nicht angemessen, in so eine Situation zu kommen."