Wien ist vielleicht nicht New York, aber: Auch Wiens Kulturszene ist bunt und vielfältig. Von Netrebko bis Nazar, von Hamlet bis Hader, von The Cure bis The Strangers, vom Wien Museum zum Weinmuseum - es ist einfach alles drin. Multikulturalismus soweit das Auge reicht, Diversität und Genderkonformität, ganz ohne Anstrengung. Das ist vor dem Vorhang.

Doch wie sieht es mit der Vielfältigkeit abseits des Scheinwerferlichts aus? Wie offen und (bitte englisch auszusprechen) divers sind Wiens Kulturbetriebe hinter den Vorhängen? Dieser Frage ist man bei der Diskussionsveranstaltung des Forum Alpbach zum Thema "Vielfalt im Kulturbetrieb - ein Mythos?" nachgegangen. Matti Bunzl, künftiger Direktor des Wien Museums, und Edeltraud Hanappi-Egger, künftige Rektorin der WU Wien, haben sich die Frage gestellt, wie es kommt, dass Kulturinstitutionen - auch jene, die sich zeitgenössischer Kunst verschrieben haben - dieselben alten Muster bedienen, dass beim Personal immer wieder "more of the same" rekrutiert werden, soll heißen: Männer, gut ausgebildet, weiß. Diese Homogenität möge verschwinden, Diversität ist erwünscht - abgesehen natürlich vom sozial-ökonomischen Bereich, in dem man gut und gern auf sie verzichten kann (Stichwort Arm-reich Gefälle). Davon abgesehen geht es aber um Diversität in jeder Hinsicht: Alter, Geschlecht, Herkunft (auch die soziale!), Behinderung.

Anonymisierte Bewerbung

Auf die Frage, wie man nun konkret daran arbeiten kann, mehr Diversität zu ermöglichen, weiß man nicht ganz so klar zu antworten. "Anonymisierte Bewerbung", fällt da, oder, etwas pauschaler "die Ausschließungsmechanismen bekämpfen". Das Gruppendenken à la "Wir und die anderen" solle man abstellen und mit simplen Zuschreibungen aufhören. An der WU möchte Hanappi-Egger daher Voraussetzungen und Angebote schaffen. Vor allem gehe es darum, Diversität nicht mehr als Problem zu sehen, sondern als Chance.

Bunzl möchte seinerseits in die Richtung weiter gehen, die der aktuelle Direktor des Wien Museums, Wolfgang Kos, bereits vorgegeben hat, will Ausstellungen wie die momentane ("Orte der Roma und Sinti", Anm.) weiterhin fördern. Ausstellungen, die betonen, dass sogenannte Minderheiten immer schon Teil unserer Gesellschaft waren, dass "Wien inhärent pluralistisch und divers ist" und zwar "nicht erst seit heute, sondern eigentlich immer schon". Das Modell, das ihm dabei vorschwebt, ist der amerikanische Multikulturalismus. Diverse Fragen, ob etwa die USA tatsächlich als Vorbild in Sachen Inklusion hergenommen werden sollen, darf mit einem Blick auf das aktuelle Geschehen diskutiert werden.