Wien. Jenny L. aus Liverpool in Großbritannien macht bei einem Wien-Urlaub ein Selfie auf dem Stephansplatz. Im Hintergrund zu sehen sind der Dom und das Haas-Haus. Wenn Jenny L. dieses Foto, beispielsweise im Ordner "Holidays in Vienna", auf Facebook stellt, begeht sie eine Urheberrechtsverletzung. Im schlimmsten Fall steht darauf drei Jahre Gefängnis. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass Penelope L. nur zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt wird.

Dieses Szenario realisiert sich, wenn das EU-Parlament am 9. Juli einer Reform des Urheberrechts zustimmt, die ein Veröffentlichungsverbot für Fotos von Gebäuden zu kommerziellen Zwecken beinhaltet. Geht die Gesetzesvorlage durch, werden nicht nur Privatfotos in sozialen Netzwerken zur rechtlichen Gratwanderung, es sind auch Bildillustrationen in Printmedien und Dokumentationen im Fernsehen betroffen.

Grundsätzlich sind Gebäude ebenso urheberrechtlich geschützt wie etwa Kunstwerke, Musik, Literatur und Design. Allerdings lockert die sogenannte Panoramafreiheit einiger EU-Länder, darunter Deutschland, Österreich und Großbritannien, dieses Urheberrecht auf Gebäude. So erlaubt Paragraph 54 des österreichischen Urheberrechts, "Werke der Baukunst nach einem ausgeführten Bau oder andere Werke der bildenden Künste nach Werkstücken, die dazu angefertigt wurden, sich bleibend an einem öffentlichen Ort zu befinden, zu vervielfältigen, zu verbreiten, durch optische Einrichtungen öffentlich vorzuführen, durch Rundfunk zu senden und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen; ausgenommen sind das Nachbauen von Werken der Baukunst, die Vervielfältigung eines Werkes der Malkunst oder der graphischen Künste zur bleibenden Anbringung an einem Orte der genannten Art sowie die Vervielfältigung von Werken der Plastik durch die Plastik."

Paragraph 59 des deutschen Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte führt aus: "Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film
zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht."

Einige EU-Länder gehen allerdings restriktiver vor. Unter ihnen ist Frankreich. Die Veröffentlichung von Fotos des Eiffelturms bei Nacht ist genau genommen ein Urheberrechtsbruch. Das 1889 eröffnete Pariser Wahrzeichen unterliegt zwar keinem Schutz mehr, wohl aber seine Beleuchtung - eine Erlaubnis der Firma ist also einzuholen, will man etwa ein Selfie mit dem beleuchteten Eiffelturm auf Facebook stellen.