Klosterneuburg. Das Unheil ist abgewendet - so hieß es jedenfalls im Herbst 2014. "Sowohl das Essl Museum als auch die Sammlung sind langfristig abgesichert", gab Karlheinz Essl Entwarnung. Dunkle Wolken hatten sich damals über dem Unternehmer getürmt: Sein Baumax-Konzern war unter eine schwere, letztlich letale Schuldenlast geraten. Für den Sammler und Museumsstifter Essl aber endete die Krise vorerst glimpflich: Hans Peter Haselsteiner sprang ihm als Deus ex machina zur Seite. Der kunstsinnige Mäzen rettete die Sammlung vor dem Zugriff der Gläubiger, indem er sich 60 Prozent über seine Privatstiftung sicherte. 40 Filetstücke wurden danach in London versteigert - einerseits, um den Deal zu refinanzieren, andererseits, um den Bestand von Sammlung und Museum zu sichern. Ein nachhaltiger Erfolg - angeblich.

"Schmerzt bis in die tiefste Seele"

Tatsächlich löste er sich schon im April 2015 in Luft auf. Haselsteiner selbst warnte damals in einem Interview: Der Betrieb des Essl Museums (das weiterhin seinem Gründer gehörte) sei nur "dann aufrechtzuerhalten, wenn das Land und gegebenenfalls der Bund einen Beitrag leisten".

Dazu kam es aber nicht. Und seit Dienstag ist klar, dass das Haus auch mit einem reduzierten Betrieb nicht mehr über die Runden kommt: Das Essl Museum, einzigartig als privates Haus mit praller Sammlung, wird am 1. Juli für immer seine Pforten schließen; etwa 40 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Unklar ist noch, ob damit auch das Schicksal des Essl Art Award besiegelt ist.

Verkauft soll das Museum aber nicht werden, sondern weiterhin als Depot für die Sammlung dienen. Vier Mitarbeiter bleiben angestellt, der internationale Leihverkehr soll Fortsetzung finden. Karlheinz Essl erklärte, dass ihn die Schließung des Hauses nach 17 Jahren "bis in die tiefste Seele schmerzt". Am Dienstag stellte er die Ausstellung "Body & Soul" vor (siehe Kritik) - die vorletzte des Museums. Die allerletzte gilt ab 4.Mai der "Sammlung eSeL", einem partizipativen Ausstellungsprojekt von Lorenz Seidler, von 25. bis 30. Juni kann man das Museum dann noch bei freiem Eintritt besuchen.

Hat Essl - dessen Sammlung nicht zuletzt die österreichische Kunstgeschichte nach 1945 abbildet - versucht, bei den Subventionsstellen Gehör zu finden? Hat er. Niederösterreich sei, so Essl, dann auch bereit gewesen, einen "wesentlichen Beitrag zu leisten" - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Bund die gleiche Summe bereitstelle. Das Kulturministerium hätte sich aber geweigert - und trage damit, so Essl, die Verantwortung für die Schließung des Hauses.