Ab Juli wohl vorläufig verwaist: die lichtdurchflutete Ausstellungshalle des Essl Museums. - © Stefan Oláh
Ab Juli wohl vorläufig verwaist: die lichtdurchflutete Ausstellungshalle des Essl Museums. - © Stefan Oláh

Wien/Klosterneuburg. (irr) Klein beigeben ist offenbar nicht die Sache von Karlheinz Essl. Am Dienstag hatte der Kunstsammler und Gründer der gestrauchelten Baumax-Kette noch mit der Ankündigung schockiert, dass sein Essl Museum in Klosterneuburg am 1. Juli für immer schließt - Geldmangel erzwinge dies. Ganz unwiderruflich scheint der Schritt aber noch nicht für den Hausherrn, der das Museum seit 1999 aus eigener Kraft betrieben hat. "Der Ball liegt jetzt eindeutig bei der öffentlichen Hand", appellierte er am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal an die Politik. Dem kolportierten Plan, dass Teile der Sammlung ins Künstlerhaus wandern, konnte er im Radiointerview wenig abgewinnen: Das Wiener Haus sei zu klein, könne nur drei oder vier Ausstellungen pro Jahr zeigen, wäre überdies eine "Ausstellungshalle, das Essl Museum ein Sammlungsmuseum".

Politik hat entschieden

Viel Erfolg dürfte dieser Aufschrei nicht zeitigen. Die Politik hat nämlich längst gesprochen. Zwar hat das Land Niederösterreich eine Förderung in Aussicht gestellt, sie war aber an die Bedingung gebunden, dass der Bund in gleicher Höhe mitziehen müsse - was dieser unterließ. Hat der Kulturminister damit Schuld auf sich geladen? Josef Ostermayer will von einer solchen nichts wissen: Was zähle, so argumentiert er, sei die fortgesetzte Präsenz der Sammlung in der Öffentlichkeit. Und dies werde künftig durch das Künstlerhaus gewährleistet.

Möglich wird dieses Szenario durch den Unternehmer Hans Peter Haselsteiner. Der sicherte sich, als es mit Baumax bergab ging und die Sammlung Essl vom Zugriff der Gläubiger bedroht war, über seine Familien-Privatstiftung 60 Prozent der Kunstgüter. Im Vorjahr schloss Haselsteiner einen weiteren Pakt als Mäzen ab: Er finanziert dem Künstlerhaus die dringend nötige Sanierung; im Gegenzug erhält er rund 50 Prozent der künftigen Ausstellungsfläche. Darauf will er Kunstwerke zeigen, die in Österreich nach 1945 entstanden sind und sich in Privatbesitz befinden - und damit wohl so manches aus der Sammlung Essl. Für die Bespielung der neuen Ausstellungsfläche ab dem Jahr 2018 hat er, wohl in Abstimmung mit dem Ministerium, das Bundesmuseum Albertina ins Boot geholt.

Wie empfindet man dort Essls Vorbehalte? Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder sagt, dass sie vor allem psychologischer Natur seien; im Augenblick überwiege bei Essl wohl die Enttäuschung. In den Vorgesprächen dagegen hätte der Sammler die "Pläne, im Künstlerhaus ein ‚Schaufenster‘ zu errichten und durch die Albertina zu betreiben, sehr begrüßt." Schröder - er will am neuen Standort vor allem auf Vermittlung setzen - erinnert daran, dass Essl selbst einst seine Sammlung im Künstlerhaus zeigen wollte. Erst als die Verhandlungen scheiterten, ließ er ein Museum in Klosterneuburg errichten.

Was wird aus dem Museum?

Dass es sich dabei um eine Architektur erster Güte handelt, steht für Experten fest. Umso größer das Entsetzen über Essls Ankündigung, den Bau von Staatspreisträger Heinz Tesar nur noch als Depot für die Sammlung zu nutzen und 3500 Quadratmeter Ausstellungsfläche damit verwaisen zu lassen.

Hans-Peter Wipplinger, Chef des Leopold Museums, findet das "herb und bitter". Er hofft auf eine Fremdbespielung durch andere Sammlungen oder genreübergreifende Kunstprojekte in den Räumen. Hätte der Bund das Museum retten müssen, wie Danielle Spera, Leiterin des Jüdischen Museums Wien, sagt? Wipplinger ist zwiegespalten. So schade es um das Museum sei: Das Aus sei in gewisser Weise vorhersehbar gewesen, weil "kein klares Signal auf kulturpolitischer Ebene gegeben wurde. Man tut sich schwer, private Sammlungen zu retten, wenn ein Unternehmen nicht mehr so läuft, wie es laufen sollte."