Wien. Seit 17 Jahren ist Andreas Mailath-Pokorny Kulturstadtrat, er ist damit der längstdienende Kulturpolitiker Wiens. Am 24. Mai räumt der 58-Jährige seinen Platz, Nachfolgerin ist die Kulturmanagerin Veronica Kaup-Hasler. Der Politiker zieht im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" Bilanz, spricht über schwere Entscheidungen, kulturpolitische Visionen sowie die Baustelle Wien Museum und das ewige Streitthema Steuergelder fürs Musical.

"Wiener Zeitung":Kulturpolitik besteht im Wesentlichen aus Personalentscheidungen. Am Anfang Ihrer Amtszeit kam es zu einer vorzeitigen Absetzung von Hans Gratzer an der Josefstadt. Wie beurteilen Sie rückblickend diese kulturpolitische Hauruck-Aktion?

Andreas Mailath-Pokorny: Personalentscheidungen bergen immer ein gewisses Risiko. Es bedarf vieler Gespräche mit möglichen Kandidaten, mit dem Umfeld, auch ist die Entscheidungsstruktur jedes Mal anders. Es ist keineswegs so, dass man als Kulturpolitiker immer frei entscheiden kann. Sicher würde ich mit der heutigen Erfahrung im Vorfeld anders agieren als damals. Aber Kulturpolitik ist mehr als nur Personalpolitik. Vor allem geht es darum, die nötigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen und dafür zu sorgen, dass es ein weltoffenes Klima in der Stadt gibt.

Wie sehen Sie heute Ihre Wahl von Tomas Zierhofer-Kin zum Festwochen-Intendanten?Derzeit läuft seine zweite Spielzeit, die erste wurde von Kritik und Publikum unisono abgelehnt.

Meine Absicht war es, die Wiener Festwochen zu erneuern. Ob das Experiment glückt oder nicht, wird man erst in Zukunft beurteilen können.

Wie lange wird sich Zierhofer-Kin noch im Amt halten können, wenn Sie nicht mehr Stadtrat sind?

Ich würde am Beginn einer neuen Ausgabe der Festwochen nicht über Personalentscheidungen sprechen, schon gar nicht über solche, die nicht ich zu treffen habe. Ich gehe guten Mutes in die Festwochen und will sie mir nicht schlechtreden lassen.

Warum haben Sie Volkstheater-Intendantin Anna Badora noch nicht verlängert? Ihr Vertrag läuft 2020 aus.

Gerade läuft ihre dritte Saison, die sollte man noch abwarten. Auch hier gilt: Das muss meine Nachfolgerin entscheiden. Im Lauf meiner Tätigkeit habe ich weit über 100 Personalentscheidungen getroffen. Dass Sie nun drei davon hinterfragen, verdeckt die vielen anderen Entscheidungen, die fraglos auch sehr gut gelaufen sind.

Während Ihrer Amtszeit stieg das Kulturbudget, trotz einer Stagnation zuletzt, markant an. Warum ist dennoch keine Aufbruchstimmung zu spüren?

In 30 Jahren als Kulturpolitiker habe ich immer Klagen darüber gehört, dass nicht genug Geld zur Verfügung stehe. Tatsächlich hat sich das Budget seit dem Jahr 2000 inflationsbereinigt um ein Drittel erhöht, und es ist seitdem viel Neues dazugekommen: Kinderkultur, Tanzquartier, neue Festivals wurden gegründet und finanziert, das Rabenhof-Theater wurde gegen größten politischen Widerstand durchgesetzt, und nicht zuletzt wurde das Theater an der Wien von einer Musical-Bühne zum städtischen Opernhaus umgewidmet.