"Wiener Zeitung": Ihre Bestellung als Wiener Kulturstadträtin hat viele überrascht. Sie selbst auch?

Veronica Kaup-Hasler: Außerordentlich. Es war gerade drei Tage vor Bekanntgabe, als ich den Anruf vom damaligen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bekommen habe - und war perplex. Nach einer halben Stunde war für mich aber klar: Ich muss das machen.

Warum?

Für mich ist das die ideale Erweiterung des Feldes, dem ich mich immer verpflichtet gefühlt habe: Künstlerinnen und Künstlern Räume öffnen, etwas ermöglichen, neue Initiativen setzen.

Gibt es schon konkrete Ideen?

So viele, dass der Tag nicht ausreicht. Zuerst gilt es, sich den dringendsten Fragen zu widmen, da muss man schnell handeln. Gleichzeitig arbeiten wir daran, neue Strukturen zu gestalten. Dafür brauchen wir mehr Zeit. Es wird jedenfalls eine neue Referentin geben, die sich um kulturelle Belange in den bevölkerungsstarken Bezirken kümmern wird. Hier sollen neue künstlerische Projekte ins Leben gerufen werden. Wien entwickelt sich gerade in den Bezirken Floridsdorf, Donaustadt und Liesing mit unglaublicher Dynamik. Wenn man da kulturell nicht mitzieht, weil man immer nur auf die Innenstadt schielt, läuft etwas grundsätzlich falsch. Dann hat man die von Bürgermeister Ludwig beklagte Stadt der zwei Geschwindigkeiten. Hier besteht Handlungsbedarf.

Inwiefern?

Es wird darum gehen, neue Publikumsschichten anzusprechen, ohne populistisch werden zu müssen. Beim Steirischen Herbst haben wir in vielen Projekten bewiesen, dass es möglich ist, kunstfernes Publikum zu erreichen. Allerdings braucht es enormen Einsatz und Angebote, die neue Zugänge schaffen. Dazu gehört mitunter auch, dass man an einem Wirtshaus-Stammtisch sitzt, mit Leuten redet, um herauszufinden, wo die Bedürfnisse liegen.

Also eine Veronica Kaup-Hasler, die durch Floridsdorf streift?

Aber sicher. Ich steh’ auch hinter der Budel, wenn es sein muss, um Menschen für Kunst zu erreichen. Wir müssen unsere Kunstblase immer wieder selbst perforieren und befragen. Auch das Politische in der Kunst macht nur Sinn, wenn wir politisch agieren.

Bürgermeister Michael Ludwig hat eine neue Donaubühne angekündigt. Bleibt das Chefsache?

Es ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Bürgermeister in anderen Bezirken künstlerische Akzente setzen möchte. Wir werden diese Idee ressortübergreifend weiterentwickeln und uns die Zeit nehmen, die es braucht, um so ein Vorhaben einzigartig zu machen.

Werden Sie der SPÖ beitreten?

Nein, ich arbeite loyal für Bürgermeister Ludwig und dieses Team, aber ich bleibe bei meinem autonomen Status. Es spricht für die Offenheit und Toleranz der Partei, dass das möglich ist.